Erinnerungen an Borbecker Kneipenkultur: Das Wunder von Schönebeck!

0 16.03.2026

BEDINGRADE/SCHÖNEBECK. Die kleine Serie über Borbecker Kneipenkultur von Wolfgang Sykorra widmet sich heute der

Gaststätte Pannenbäcker

Wirtschaftlich waren Bergleute nicht auf Rosen gebettet. Darum kam der so genannten Selbstversorgung eine besondere Bedeutung zu. Die Bergarbeiterfamilien hielten sich beispielsweise Nutztiere, zu denen Schafe, Ziegen und Geflügel gehörten. Der Geflügelzuchtverein traf sich bei „Pannenbäcker“ gegenüber der Einmündung des Bergkamp in den Brausewindhang. Seine Zuchtausstellungen stießen immer auf große Aufmerksamkeit.

Die Schulentwicklung profitierte ebenfalls vom Lokal „Pannenbäcker“. Die Chronik der Eichendorffschule berichtet, dass in der Gründungsphase der Schule ein Raum der Gaststätte zur Behebung der schulischen Raumnot angemietet worden war.

Bei „Pannenbäcker“ fand man sich auch zum Fernsehen ein. Denn ein TV-Gerät hatten am Anfang der 1950er-Jahre nur die wenigsten. Die Übertragung eines Fußballspiels zog besonders viele Gäste an., besonders am 4. Juli 1954: Aus dem schweizerischen Bern wurde das Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft zwischen Ungarn und Deutschland übertragen.

Der Borbecker Journalist Günter Streich erzählt: Bei „Pannenbäcker“ drängten sich alle vor das Fernsehgerät. Nach zehn Minuten führte Ungarn mit 2:0. Bis zur Halbzeit hatte Deutschland ausgeglichen. Dann – so der Chronist – leerte sich der Saal und das stille Örtchen füllte sich beängstigend. Die altmodische Toilettenanlage hatte zwar Wasserspülung, aber noch keinen Anschluss an die Kanalisation, sondern eine Sickergrube unter den Holzdielen. Die aber waren dem plötzlichen mächtigen Druck nicht gewachsen, brachen ein und etliche Männer mit ihnen. Viel Zeit für eine gründliche Reinigung blieb nicht: Die zweite Halbzeit lief! Als Essens RWE-Spieler Helmut Rahn den Siegtreffer zum 3:2 schoss, nahmen sie die Hände von den Nasen und jubelten nur noch – mochte es im Saal riechen, wie es wollte… Die Teilnehmer dieses denkwürdigen Sonntags sprechen seitdem nicht mehr vom `Wunder von Bern`, sondern vom ´Wunder von Schönebeck`.

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