Erdhummeln finden Beinwell zum Anbeißen

Alte Heilpflanze soll gegen vieles helfen

0 04.08.2019

Der Name lässt es ahnen: Beinwell ist ein altes Heilkraut. Entzündungen, offene Wunden, selbst Knochenverletzungen wurden mit den Wurzeln dieser Staude behandelt. Auch der lateinische Name lässt darauf schließen. Mit dem „Hausnamen“ „officinale“ werden alle Pflanzen bedacht, die in der Heilkunde Verwendung fanden und der „Vorname“ „Symphytum“ heißt in etwa „Zusammengewachsen“.

Im Großraum Borbeck findet man die „Symphytum officinale“ zum Beispiel auf den Wiesen rund um Haus Ripshorst. Beinwell ist eine auffällige Staude, die bis zu 90 Zentimeter hoch werden kann. Sie gehört – wie das Lungenkraut und der Natternkopf - zur Familie der Boretschgewächse (Rauhaargewächse). Aus einem Büschel großer, grundständiger Blätter erheben sich die verzweigten Stängel, die gleichfalls Blätter tragen. Alle grünen Teile der Rauhaargewächse sind dicht mit stacheligen Borsten besetzt.

Der Hauptblütenstiel, der die zahlreichen kurz gestielten Blüten trägt, ist anfangs wie eine Spirale eingerollt. In dem Maß aber, wie sich die jüngeren Blüten entfalten, rollt er sich auf. Einen solchen Blütenstand nennt man Wickel. Ein kleiner, fünfzipfeliger Kelch umschließt die glockenförmige Blumenkrone. Sie ist regelmäßig gebaut und endet in ebenfalls fünf Zipfel. Beinwell blüht gelblich-weiß oder rosa bis fast violett, je nach Standort von Mai bis September. Aus dem Fruchtknoten erhebt sich ein langer Griffel, dessen Narbe weit aus der Blütenglocke hervorragt. Die Fäden der fünf Staubblätter sind mit der Blütenkrone verwachsen. Sehr häufig findet man die Blüte von der Erdhummel angebissen, die wegen ihres kurzen Rüssels den Nektar auf normalen Weg nicht erreichen kann. Die Löcher benutzt auch die Honigbiene, um Nektar zu saugen.

Aus den vier Teilen des Fruchtknotens gehen einsamige Teilfrüchtchen hervor. Jedes dieser glänzend schwarzen Nüsschen besitzt ein weißes, fleischiges Anhängsel, das von Ameisen gern verzehrt wird. Das Nüsschen lassen die Insekten aber liegen. So tragen sie zur Ausbreitung des Beinwells bei. Beinwell hat einen kurzen unterirdischen Spross, der sich in einer tiefgehenden Pfahlwurzel fortsetzt. Die Wurzeln sind schwarz. Zu medizinischen Zwecken wird die Wurzel des Beinwells verwendet. Die Förderung der Wundheilung ist vor allem auf den Gehalt an Allantoin zurückzuführen. Der Wirkstoff hat Einfluss auf die Zellbildung.

Beinwell wurde früher auch innerlich angewendet als Mittel gegen Rheuma, Bronchitis, Lungenfellentzündung, Durchfall, gegen Magenschmerzen und zur Stabilisierung des Blutdrucks. Experten warnen allerdings davor, Beinwell-Extrakt zu sich zu nehmen, da die in der Pflanze enthaltenen Stoffe (Pyrrolozidine) in der Leber zu giftigen Verbindungen umgewandelt werden.

In manchen Veröffentlichungen werden Beinwellblätter als Wildgemüse oder Salat gerühmt. Doch auch hier gilt: Besser nur gelegentlich eine kleine Portion essen! Gegen einen Umschlag aus Beinwellwurzeln bei Knochenhautreizungen, Gelenkentzündungen, Gichtknoten, Knochenbrüchen, Sehnenscheidenentzündungen, Arthritis, Verstauchungen etc. ist allerdings nichts einzuwenden. Die Wurzel wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend.

 

Zum Bild: Auf feuchten, nährstoffreichen Standorten, wie z.B. an Bachufern und in sumpfigen Wiesen ist die bis zu 1,2 m groß werdende, kräftige Pflanze zu finden.  Foto: flora

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