Eine Ente mit weißen Augen

Seltenheit macht in Essens nördlicher Nachbarstadt Station

1 10.12.2020

Ganz helle, fast weiße Augen hat der kleine Erpel, dem es in Essens nördlicher Nachbarstadt Gladbeck so gut gefällt. Das Moorenten-Männchen hat sich das Gewässer am Schloss Wittringen ausgesucht und lockt Vogelfreunde aus dem ganzen Revier an. Auch Uwe van Hoorn ( https://uwe.van-hoorn.name/home.html ) aus Gerschede hat dem seltenen Exemplar der kleinsten Tauchentenart einen Besuch abgestattet. Moorenten sind selten, sehr selten. Und das erklärt die Freude der Vogelkundler an dem Auftauchen im Revier.

Wie ihr Name sagt: Die Moorente bevorzugt flache Gewässer, mit einem ausgedehnten Schilfgürtel. Dort findet sie genügend pflanzliche und tierische Nahrung. Sie rupft an Blättern, interessiert sich für Rhizome und andere Wurzelknollen. Auf dem Speisezettel stehen auch Wasserinsekten, Kleinkrebse, Kaulquappen und Jungfrösche. Schnecken nimmt sie im Vorübergehen mit Pflanzenteilen auf. „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh‘“ Auch die Moorente gründelt. Fast die Hälfte der Zeit, die das Tier für die Nahrungsaufnahme aufwendet, hält sie den Kopf unter Wasser.

Kastanienbraun ist das Brutkleid des Moorentenerpels. Das Weibchen ist ein wenig blasser gefärbt und hat braune Augen. Daran kann man sie am besten unterscheiden. Der lange Schnabel ist dunkelgrau bis blauschwarz gefärbt, die Schnabelspitze aufgehellt – aber nicht bei allen Altvögeln. Männchen und Weibchen unterscheiden sich – im Gegensatz zu anderen Enten – weniger deutlich voneinander und auch Schlichtkleid und Brutkleid unterscheiden sich weniger als bei anderen. Die Farben sind weniger strahlend.

Früh dran sind die Moorenten bei der Paarung. Die Zeit beginnt bereits im Januar und dauert bis Mai. Das Nest wird gut versteckt im Schilfgürtel am am Wasser angelegt und mit Daunen und Federn schön weich gepolstert. Sieben bis elf gelb bis rötliche Eier legt die Entenfrau. Jeden Tag eins. Ist das Gelege komplett, beginnt das Weibchen mit der Bebrütung. Die Arbeit bleibt an ihr hängen, der Erpel zieht sich zurück zum Mauserrevier. 23 bis 27 Tage muss das Weibchen brüten, nach zwei Monaten sind die Jungtiere flügge.

Auch die Küken sind hübsch: Ihr Dunenkleid ist an der Körperoberseite dunkelbraun. Die Brust, der vordere und der seitliche Hals sowie die Kopfseiten sind gelb und scharf vom braunen Oberkopf und Nacken abgesetzt. Auffällige Gesichtszeichen dagegen fehlen. Der hintere Rumpf sowie die Schenkel sind braun. Die Küken haben außerdem gelbliche Flügelbinden und auf den oberen Flanken auch gelbliche Flecken. Die Iris ist blau.

Schlimm: In Deutschland ist die Moorente vom Aussterben bedroht. Die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer und der NABU Niedersachsen führten 2012 bis 2015 am Steinhuder Meer ein Wiederansiedlungsprojekt durch und ließen 237 gezüchtete Moorenten frei. Wie es scheint erfolgreich: Dort kommt es seit 2015 zu Bruten im Freiland. In Leipzig werden Moorenten vom Zoo ausgewildert.

Bei den Enten auf dem nachmittagsgüldenen Gewässer handelt es sich (v.l.) um ein junges Reiherentenmännchen in der Umfärbung, eine Tafelente und ein Männchen der in Deutschland ziemlich seltenen Moorente. Foto: Uwe van Hoorn

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Kommentare

Kommentar von Marita Wiersch |

Toller Artikel und auch ein tolles Foto! Jetzt weiß ich wieder ein bisschen mehr ; )

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