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0 19.06.2026
Was ist denn das für ein seltsames Gebilde auf dem Lindenblatt? Rot, schmal, spitz wie ein winziger Buntstift! Das macht neugierig.
Die kleinen Stifte (8 bis 15 mm hoch) gehören zur Lindengallmilbe. Sie ist winzig und mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Man braucht ein Mikroskop für ihre Körperlänge von ca. 0,1 bis 0,2 mm.
Aber ihre charakteristischen Gallen machen die Milbe zu einem auffälligen Blattbewohner der Linde. Imposant wirkt es, wenn zahllose Gallen auf einem Blatt vertreten sind. Aber sie richten kaum Schaden an, die Blätter bleiben grün und das Wachstum des Baums nicht eingeschränkt.
Den Winter verbringen die erwachsenen Tierchen in Knospen oder in Ritzen der Rinde. Kaum sind im Frühjahr die ersten Lindenblätter entfaltet, kommen die Milben aus ihrem Winterversteck, stechen die Blätter an und saugen den Pflanzensaft. Die Verletzung der Blattzellen und der Speichel der Milben verändern das Zellwachstum der Blätter und die Galle entsteht. Auf diese Weise schaffen sich die Milben einen Raum, in dem sie sicher vor Fressfeinden sind, der sogar mit einer Nahrungsquelle versehen ist.
Nicht immer sind die Gallen leuchtend rot. Es gibt sie auch grün oder gelblich. Immer an der Unterseite des Blattes befindet sich die Öffnung der Galle, sie ist mit feinen Härchen besetzt.
Auf diese Weise können sich mehrere Generationen pro Jahr in der Galle entwickeln. Bis zu 100 Milben lassen es sich dort gut gehen.
Ein seltsam anmutender Einfall der Natur: Bei den Lindengallmilben gibt es kaum männliche Tiere. Das macht nichts, die weiblichen Milben kommen ohne aus. Das nennt man Parthenogenese, eine Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung, bei der Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen entstehen – also ohne Beteiligung eines Männchens.
Wie der Name Lindengallmilbe vermuten lässt, sind die Winzlinge fast ausschließlich auf der Gattung „Linde“ anzutreffen. Zwischen Sommer-, Winterlinde oder Silberlinde machen sie aber keinen Unterschied. In der Biologie nennt man das nahrungsspezialisiert oder oligophag.
Wer auf seiner Linde keine Milbe mag, sollte befallene Blätter oder Zweige rasch entfernen, um die Ausbreitung zu reduzieren. Schließlich werden diese Tierchen über den Kontakt mit anderen Blättern, durch den Wind oder mit Hilfe von Vögeln oder Insekten auf andere Bäume übertragen.
Zum Bild: Auch wenn man es kaum glauben mag: Die Gallen der Lindengallmilbe stört den Baum kaum. Foto: flora
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