Ein "Würger" kehrt zurück

Neuntöter nach 35 Jahrenin Essen gesichtet

0 26.06.2020

Eine überraschende Beobachtung machten Mitglieder der Greifvogelgruppe des NABU-Ruhr bei einem ihrer Kontrollgänge: Im Raum Werden/Heidhausen entdeckten sie ein Neuntöterpärchen. Die letzte bekannte Brut eines Neuntöters auf Essener Stadtgebiet fand vor 35 Jahren auf einer Streuobstwiese der naju Essen/Mülheim statt.

Schon 1985 wurde der Neuntöter zum Vogel des Jahres gewählt. Auf der Jahresvogel-Seite des Nabu (www.nabu.de findet man dieses Portrait des hübschen Vogels mit dem martialischen Namen zu lesen.

„Der Neuntöter (Lanius collurio) ist der hierzulande am stärksten verbreitete Vertreter der Familie der Würger (Laniidae), von der es weltweit 64 Arten gibt. Hierzu gehören auch der seit 1987 in Deutschland ausgestorbene Schwarzstirnwürger, der extrem seltene Rotkopfwürger und der noch sporadisch anzutreffende Raubwürger. Seinen brutal klingenden Namen erhielt der Neuntöter aufgrund seines Beuteverhaltens. Als Nahrungsreserve beziehungsweise zur Bearbeitung spießt er Insekten, kleine Vögel oder Mäuse auf Dornen oder spitze Zweige auf.

Ein typisches äußerliches Merkmal dieser Singvögel ist ihr falkenähnlicher Oberschnabel, der wie bei Greifvögeln mit einem so genannten Falkenzahn versehen ist. Das prächtig gefärbte Männchen des Neuntöters ist vor allem durch seinen auffälligen schwarzen Augenstreif und seinen grauen Oberkopf und Nacken, der sich deutlich von den rostroten Rücken- und Flügelpartien abhebt, leicht erkennbar. Weibchen und Junge sind demgegenüber eher unscheinbar. Beide besitzen einen braunen Augenstreif, einen rostroten Oberkopf und Rücken. Unterseite und Flanken sind hell mit dunkelbraunen Bogenlinien. Der Neuntöter-Gesang klingt relativ leise schwätzend, enthält häufig zahlreiche Imitationen und wird meist mit dschä Rufen eingeleitet oder abgeschlossen. Angriffs- und Erregungslaute sind teck teck teck, dschrää oder trrt trrt. Der Neuntöter ernährt sich hauptsächlich von Insekten, vor allem von Käfern, Heuschrecken und Grillen. Gelegentlich frisst er auch Kleinsäuger, zum Beispiel junge Feldmäuse und Jungvögel. Der Neuntöter gilt bei uns als Charaktervogel einer halboffenen, reich strukturierten Landschaft. Hier bewohnt er vor allem trockene und sonnige Landstriche mit ausgedehnten Busch- und Heckenbeständen. Auch an buschreichen Waldrändern und in Feldgehölzen trifft man ihn an.
Sein Nest baut der Neuntöter gewöhnlich einen bis zwei Meter über dem Boden in dichtem Dornengebüsch, Sträuchern oder kleinen Bäumen. Anfang Mai bis Ende Juni legt das Weibchen fünf bis sechs variabel gefärbte (hell grünlich, gelblich oder rötlich) und gefleckte Eier, die 14 bis 16 Tage bebrütet werden. Es schließt sich eine 13 bis 15-tägige Nestlingsphase an, gefolgt von einer 26 bis 38 Tage dauernden Führungsperiode. Nach Beendigung des Brutgeschäfts verlässt der Neuntöter meist schon im August sein Brutgebiet, um das Winterhalbjahr im tropischen Afrika zu verbringen.

Um den Bestand der Neuntöter langfristig zu stabilisieren sind folgende Schutzmaßnahmen bedeutsam:

Erhalt und Entwicklung reich strukturierter Heckenlandschaften

Verringerung des Einsatzes von Insektiziden, Herbiziden und Düngemitteln in der Kulturlandschaft

Förderung von extensiv genutztem Grünland, Streuobstgebieten, Brachen, natürlichen Waldsäumen und Trockenstandorten“

(Text: nabu)

Zum Bild: Ein Glückstag für Uwe van Hoorn: Dem Gerscheder Vogelkundler gelang das Bild vom Neuntöter-Männchen im Großraum Werden.

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