Gegen Warzen helfen nicht nur tote Katzen

Aber Vorsicht: Schöllkraut ist in allen seinen Teilen giftig

0 07.05.2021

Ein todsicheres Rezept kannten Tom Sawyer und sein Freund Huckleberry Finn, um eine Warze zu entfernen: „Man schleiche mit einer toten Katze auf den Friedhof, an einem Tag, an dem ein schlechter Kerl begraben wird. Wenn um Mitternacht der Teufel kommt (manchmal sind's auch zwei oder drei), um den bösen Buben zu holen, wirft man ihnen die Katze hinterher und sagt: „Leiche geh zum Teufel, Katze zur Leiche, Warzen zur Katze und ich nach Haus.“

Etwas weniger abenteuerlich als das Rezept aus der Feder von Mark Twain, der die Geschichten um Tom und Huck erfand, war Omas Rezept: Sie empfahl gegen Warzen Schöllkraut. Sie rupfte einfach eine frische Pflanze am Wegesrand ab, strich den orangefarbenen Pflanzensaft auf die entsprechende Stelle am Finger und sagte: „Aber nicht in den Mund stecken!“ Und das war gut so.

Das Schöllkraut (Chelidonium majus) gehört zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Bei dieser Pflanzenfamilie gibt es zwei große Gruppen: die eine führt Milchsaft, die andere nicht. Erdrauch und das Tränende Herz haben keinen Milchsaft, Mohn hat weißen und das Schöllkraut ist durch den orangefarbenen Milchsaft unverwechselbar.

Die Pflanze wächst einfach überall. An Mauern, Zäunen, Wegrändern, auf Parkplätzen, Brachen usw. Die Pflanze gilt als Zeigerpflanze, die reichen Stickstoffgehalt im Boden anzeigt. Und dabei genügen ihr in den Ritzen des Straßenpflasters zum Beispiel die Hinterlassenschaften der gassigehender Hunde. Das Schöllkraut gedeiht aber nicht nur in der Stadt, sondern auch in Wäldchen, in Auen und Ufergebüschen, in ganz Europa und Asien und auch in Nordamerika.

Bis zu 80 Zentimeter hoch werden die aufrechten, runden Stängel, die nie verholzen. Der Stängel ist verzweigt, innen hohl und trägt zahlreiche Blätter, die oben grün und unten blaugrün aussehen. Ihre Form erinnert an Eichenblätter. Stängel und Blätter sind behaart.

Das Schöllkraut ist mehrjährig und treibt im Frühjahr aus seinem kurzen Wurzelstock aus. Die ersten Blüten kommen schon im April, die letzten im Oktober. Die rund zwei Zentimeter großen Blüten sind gelb. Wer sich die Blüte nur flüchtig besieht, ist versucht, das Schöllkraut den Kreuzblütlern (z.B. Raps) zuzuordnen, weil auch diese Familie nur vier Blütenblätter zählt. Das ist aber falsch. Die Blüte wird durch Insekten bestäubt.Bei schlechtem Wetter sind die Blüten geschlossen und die Blütenstiele senken sich ab. Die Früchte der Pflanze sind etwa 5 cm lange schotenähnliche Kapseln. Sie enthalten eiförmige schwarze Samen. Die Samen werden durch Ameisen verbreitet.

Alchimisten und Heiler hielten das Schöllkraut für sehr heilkräftig. Es wurde gegen allerlei Verzauberungen empfohlen. Und nicht nur Oma hielt es für ein tolles Mittel gegen Warzen, bereits in der Antike bestrich man mit der orangefarbenen Milch des Schöllkrautes entsprechende Stellen.

Alle Pflanzenteile sind giftig, da sie zehn verschiedene Alkaloide enthalten. Die Gifte wirken zentral schwach beruhigend, krampflösend auf Bronchien und Darm, sie regen die Herztätigkeit an, erhöhen den Blutdruck und erweitern die Coronargefäße.
Extrakte des Schöllkrauts werden in der Medizin als Mittel gegen krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenwege und in Leber-Galle-Tees verwendet. Von einer Selbstmedikation raten Fachleute allerdings dringend ab.

Zum Foto:  Die Aunahme machte Andreas Koerner am Steenkamp Hof.

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