Ein nützliches Haustierchen

Silberfische haben Hausstaubmilben zum Fressen gerne

1 12.03.2021

Das wird vermutlich nicht jeder gerne hören, aber Silberfischchen sind durchaus nützliche Haustierchen. Lepisma saccharina, so der wissenschaftliche Name – rückt derzeit beim Frühjahrsputz wieder in den Focus der Putzenden. Dann nämlich, wenn man auch im Bad, den Schrank oder das Regal mal von der Wand rückt, sieht man sie flitzen. Das Silberfischchen ist flügelloses, lichtscheues Insekt. Sein deutscher Name ist auf seinen silbergrau-schuppigen, stromlinienförmigen Körper zurückzuführen. Der wissenschaftliche weist auf seine Vorliebe für Kohlenhydrate wie Zucker oder Stärke hin.

Wissenschaftler vermuten, dass dieses Insekt seit über 300 Millionen Jahren auf der Erde existiert. - Es gibt also auch ein Leben außerhalb von Badezimmern und Kellerräumen, vorausgesetzt es ist warm genug.

Der kleine Flitzer wird kaum länger als einen Zentimeter. Sein fischförmiger Körper hat ein Fühlerpaar am Kopf und drei lange Schwanzanhänge und in der Mitte einen Endfaden. Dann gibt es noch zwei seitlich abgespreizte Anhänge, die man Cerci nennt – (Einzahl: Cercus). Die Fühler vorne und all die Anhängsel sind berührungsempfindliche Sinnesorgane. Besonders gut sehen kann das Silberfischchen nicht. Die Augen sind klein und reduziert. Sie müssen nicht gut sehen können. Die lichtscheuen Tierchen werden in der Dunkelheit aktiv. Bei Tage verstecken sie sich in dunklen Ritzen und Fugen, hinter Fußleisten oder losen Tapeten.

Warm muss es sein und feucht, damit sich das Silberfischchen wohl fühlt. Als optimal gelten 30 bis 30 Grad Celsius und 80 bis 90 Prozent relative Luftfeuchte. Deshalb findet man es in Mitteleuropa meistens in Bädern, Küchen und auch Schlafzimmern, in wärmeren Regionen auch in anderen Biotopen.

Eine Besonderheit kennzeichnet das Silberfischchen: Die Tiere entwickeln sich ohne Metamorphose. Sie schlüpfen aus dem Ei und wachsen danach nur noch. Bis zur Geschlechtsreife nach einem Jahr häutet sich das Tier acht Mal. Auch danach finden noch bis zu vier Häutungen pro Jahr statt, weil das Tier weiter wächst.

Auf seinem Speisezettel steht Stärke, Zucker, Haare, Hautschuppen und – das wird viele Allergiker freuen – Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Sie fressen tote Insekten und ihre eigene abgestreifte Haut. Weniger erfreulich: Baumwolle, Leinen und Papier werden ebenfalls gerne genommen. Ist der Tisch nicht reichlich gedeckt, macht das dem Silberfischchen nichts. Es kann monatelang Diät halten, ohne Schaden zu nehmen.

Fressen und gefressen werden: So ist das im Tierreich. Der Gemeine Ohrwurm und Spinnen freuen sich über Lepisma saccharina.

Silberfischchen übertragen keine Krankheiten; eine Bekämpfung im Haushalt ist aus hygienischer Sicht nicht erforderlich. Wer sie trotzdem los werden will, kann folgenden Trick versuchen: Eine halbierte Kartoffel – gekocht oder ungekocht – nachts auf eine Tüte oder ein Tuch setzen, auf dem Boden auslegen und am nächsten Morgen: weg damit. flora

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Kommentare

Kommentar von Andreas Koerner |

Silberfischchen gehören zu den Hausbewohnern. die Karl von Frisch in dem Buch "Zehn kleine Hausgenossen" beschrieben hat. Es kommen in diesem kleine Buch auch weitere Tiere vor: Stubenfliege, Läuse, Bettwanzen, Kleidermotten, Küchenschabe, Spinnen. Sehr schön anschaulich beschrieben. Karl von Frisch hatte für seine Forschungen über die Bienensprache zusammen mit Konrad Lorenz mit seinen Forschungen über die Graugans und Niko Tinbergen, der Niederländer, über die Silbermöwe als Verhaltensforscher den Nobelpreis bekommen. Sein Hausgenossenbuch endet mit einem eigenen Gedicht:
Es ist kein Wesen zu gering,
Man kann doch von ihm lernen.
Derselbe Zauber ist um uns
Im Nahen wie im Fernen,
Und voll der Rätsel bleibt die Welt -
Vom Floh bis zu den Sternen.

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