Ein Krebstierchen auf Landgang

Mauerasseln sind in vielerlei Hinsicht anders, ganz anders

0 08.05.2026

Man muss schnell sein, um die kleinen Tierchen für einen Schnappschuss zu erwischen. Man sieht sie kaum an der frischen Luft. Lieber verbergen sich Mauerasseln unter Steinen, Blumentöpfen oder Laub. Gerne auch in Mauerspalten; also überall da, wo es feucht, dunkel und kühl ist. Lüpft man – den Fotoapparat im Anschlag haltend – ihr Versteck, haben sie sich ein, zwei, drei in Deckung gebracht. Deshalb – und weil sie überall zu finden sind - wählte der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher vor sechs Jahren die Mauerassel zum Höhlentier des Jahres.

Was denn nun? Ist die Mauerassel ein Insekt, ein kleiner Tausendfüßler, ein Spinnentier oder ein Krebs? Tja. Wer weiß denn so was?

Im Gegensatz zu Insekten, die sechs Beine haben oder Spinnentiere mit acht Beinen, hat die Mauerassel 14 Beine. "Oniscus asellus", so der wissenschaftliche Name, gehört zu den Landasseln, die sich als einzige Krebstiere völlig an ein Leben auf dem Land angepasst haben. Sie müssen die Eier oder Larven nicht mehr in ein Gewässer abgeben, sondern legen sie in einen wassergefüllten Brutbeutel (Marsupium) auf der Körperunterseite des weiblichen Tieres. Dort reift der Nachwuchs heran. Doch wie alle Krebse atmet auch die Mauerassel über Kiemen. (Quelle: Verband der Höhlenforscher)

Der Körper der Mauerassel ist bis zu 18 mm lang, deutlich abgeflacht und dunkelgrau bis schwarzbraun gefärbt. Die Oberseite ist körnig und weist zum Körperende hin kleiner werdende helle Flecken und Punktreihen auf. Das unterscheidet sie von der ebenfalls häufig anzutreffenden eher dunkelgrau gefärbten Kellerassel, mit der sie sich oft eine Unterkunft teilen.

Was frisst man so als Assel im Keller oder einer Höhle? Was sie finden, möchte man sagen. Asseln sind Generalisten, d.h. sie ernähren sich von Pflanzenresten, abgestorbenen Tieren und Totholz. Jedem Tierchen sein Plaisierchen: Die Mauerasseln können ihren eigenen Kot verdauen und ihm so auch die allerletzten Nährstoffe entziehen.

Drei bis viermal im Jahr kann sich die Mauerassel fortpflanzen. Mehrere Dutzend Eier entwickeln sich im Brutbeutel zu Jungtieren und schlüpfen dann. Nach drei Monaten sind sie geschlechtsreif. Weil ihre Haut nicht mitwächst, müssen sich die Tiere ihr Leben lang häuten, das kann bis zu zwei Tage lang dauern. Bis zur Geschlechtsreife sind es etwa 15 Male. Insgesamt können die Tiere bis zu zwei Jahre alt werden.

Zum Bild: Die Mauerassel auf dem Foto war offenbar ein wenig müde. Alle anderen hatten sich schon verzogen, bevor die Kamera zum Einsatz kam. Foto: flora

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