Ein gewaltiger Schuss in den Ofen

0 03.10.2022

BERGEBORBECK/VOGELHEIM. Einen gewaltigen Schuss in den Ofen leistete sich die Firma Krupp vor mehr als 60 Jahren. Auf dem Gelände am Krupp-Hafen, wo das nach dem Krieg demontierte Hüttenwerk gestanden hatte, baute der Konzern in den 50er-Jahren die so genannte Rennanlage. Wer hier an eine Rennbahn denkt, verrennt sich allerdings: Mit den Wörtern „Rennarbeit“ und „rennen“, die sich von zum „Rinnen bringen“ ableiten, werden Verfahren bezeichnet, bei denen das Eisen unmittelbar aus dem Erz als schmiedbares Metall gewonnen wird. Das Rennfeuer war jahrtausendelang das einzige Verfahren zur Eisengewinnung. Krupp zog das nun "in Groß" auf: In riesigen Drehöfen (auf dem Bild rechts zu erkennen) wurde dabei Erz "geschmort", das sich zur Verhüttung in regulären Hochöfen nicht eignete. Das Verfahren erwies sich jedoch schon bald nicht als der erhoffte Renner: die Anlage wurde nach nur wenigen Jahren wegen Unwirtschaftlichkeit aufgegeben - sehr zur Freude der Dellwiger und Bergeborbecker Bevölkerung, denen die Öfen die Abgase tonnenweise um die Ohren pustete, was sogar einer der Hauptgründe für die Gründung der Dellwiger Bürger-Initiative gegen Luftverschmutzung im Jahr 1962 war. Noch bis in die 90er-Jahre standen die Ruinen der Rennanlage nahe der Alu-Hütte und "begrüßten" die aus Bottrop kommenden Autofahrer schon von Weitem.

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