Ein ausgesprochener Single wohnt im Souterrain

Graben ist anstrengend: Maulwürfe haben stets Kohldampf

0 12.02.2026

Jetzt, wenn der Boden nicht mehr gefroren ist, macht der Maulwurf seinem Namen alle Ehre. Talpa europaea – so der wissenschaftliche Name gräbt sich Meter um Meter durch den Mull (das ist die obere Bodenschicht) und wirft den Boden auf, so dass sich kleine Hügel bilden.

Überall, wo der Boden in Wiesen, Äckern und Gärten für seine Wühlarbeit genügend locker und feucht ist, legt er nahe unter der Erdoberfläche zahlreiche Gänge an, sein Jagdgebiet.

Unter einem größeren Erdhaufen liegt seine Wohnung, der Kessel. Er ist mit Moos, Gras und Laub mollig warm und weich ausgepolstert. Der unterirdischen Lebensweise ist der Maulwurf vorzüglich angepasst. Der etwa 15 cm lange Körper ist walzenförmig und vorn zugespitzt. Der Kopf geht ohne äußerlich sichtbaren Hals in den runden Rumpf über und die Nase ist zu einem spitzen Rüssel verlängert. Der schwarze Pelz ist samtartig dicht, er hält deshalb Erdteilchen und Wasser ab. Seine Haare haben keinen bestimmten „Strich“, so kann sich der Maulwurf in seinen engen Gängen ebenso gut vorwärts wie rückwärts bewegen.

Die Vordergliedmaßen bilden Grabschaufeln. Ober- und Unterarm sind sehr kurz und ganz im Körper verborgen, so dass nur die Hände aus dem Pelz hervorragen. Diese stehen nicht nur, wie bei den anderen Säugetieren, nach unten, sondern waagrecht nach den Seiten, wobei ihre breiten Innenflächen nach hinten gerichtet sind. Die kurzen Finger sind durch Häute miteinander verwachsen und tragen große scharfe Krallen. Die viel schwächeren Hintergliedmaßen beteiligen sich nicht an der Wühlarbeit.

In lockerem Boden hilft der kegelförmige Kopf mit, den Weg zu bahnen. Die Nasenlöcher öffnen sich nach unten, und das Maul wird beim Wühlen durch eine Hautfalte fest verschlossen. Ohrmuscheln fehlen und die Gehörgänge sind gleichfalls verschließbar.

Ein Knorpel gibt dem Rüssel die zum Wühlen nötige Festigkeit. In festem Boden kann der Kopf nicht als Bohrwerkzeug dienen. Dann wird er so weit zurückgezogen, dass die Hände bis vor die Rüsselspitze reichen. Häufen sich die losgelösten Erdmassen in der Röhre zu stark an, dann bohrt sich das Tier einen Gang nach der Oberfläche und befördert die Erde durch kräftige Stöße des Kopfes nach oben. So entstehen die Maulwurfshaufen, die bis zu 30 Zentimeter hoch werden können.

Ganz schön flott: Ja nach Beschaffenheit des Bodens kommt der Maulwurf beim Graben in einer Stunde etwa fünf bis zehn Meter weit.

Weibchen haben ein Tunnelnetz auf einer Fläche von 2.000 Quadratmeter, Männchen buddeln auf ungefähr 6.000 Quadratmetern. Jeder Maulwurf hat also sein eigenes Gangsystem von ungefähr 200 Metern Länge. Maulwürfe sind nämlich ausgeprägte Singles. Nur zur Paarungszeit kommen Männchen und Weibchen zusammen. Die Paarungszeit ist im März/April, die Weibchen bringen die Jungen nach einem Monat in etwa einem halben Meter Tiefe in der Nestkammer auf die Welt. Diese Höhle ist mit Laub und Gras ausgepolstert und hat genug Platz für die 4-5 jungen Maulwürfe. Die Jungen sind als Nesthocker völlig von der Mutter abhängig und werden 4-6 Wochen von der Mutter gesäugt. Nach 6-12 Monaten sind die jungen Maulwürfe geschlechtsreif und gründen ihr eigenes Revier.

In das unterirdische Reich des Maulwurfs dringt kein Lichtstrahl. Die winzigen im Pelz versteckten Augen haben nur ein geringes Sehvermögen. „Blind wie ein Maulwurf“ ist daher nicht nur eine Redewendung.

Um so schärfer sind Geruchssinn und Gehör ausgebildet. Vor allem aber ist der Tastsinn geschärft. Besonders empfindlich ist der Rüssel. Maulwürfe nehmen auch leichte Erschütterungen wahr, so dass sie immer spüren, wenn ein Feind im Anmarsch ist. Doch auch zum Beispiel Regenwürmer, die sich versehentlich in einem Gang verirrt haben, hört der gefräßige Maulwurf und flitzt hin.

Die stehen nämlich auf der Speisenkarte des Maulwurfs ganz weit oben. Außerdem frisst er alles, was ihm in seinen Gängen begegnet, Insekten und deren Larven, aber auch Mäuse und Spitzmäuse. Zubeißen? Kein Problem. Die dolchartigen Eckzähne und spitzen Backenzähne ähneln dem Gebiss eines Raubtiers.

Manchmal hat der Maulwurf Appetit auf Schnecken. Dazu muss er nachts an die Oberfläche kommen und sie dort aufstöbern.

Maulwürfe haben immer Kohldampf. Da die Wühlarbeit viel Kraft erfordert, der Stoffwechsel sehr schnell funktioniert, braucht der Maulwurf große Nahrungsmengen, er vertilgt täglich mindestens so viel, wie sein halbes eigenes Körpergewicht beträgt.

Also gilt es täglich rund 50 Gramm Insekten oder ähnliches zu beschaffen. Bekommt ein Maulwurf nichts zu fressen, ist er nach zehn Stunden verhungert, sagen die Maulwurfexperten.

 

Zum Bild: Auch wenn es nicht jedem gefällt: Maulwürfe stehen unter Naturschutz und dürfen nicht getötet werden. Die Menschen haben sich aber allerlei Mittel ausgedacht, den grabenden Gesellen zu vergrämen. Aber auch das ist verboten. Foto: flora

 

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