Ein alter Hut: Insekten in Nahrungsmitteln

Maikäfer kamen früher in die Suppe – man rechnete 30 Stück pro Person

0 03.05.2023

Insekten in Nahrungsmitteln? Das vermeintlich akutelle Thema ist ein alter Hut. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts galten Maikäfer als Plage im Obstbau. Doch sie hatten einen besonderen „Fressfeind“: den Menschen. Die eiweißreichen Käfer wurden gesammelt und in Suppe gereicht (man rechnete pro Person mit 30 Käfern). Als süße Variante kandierte der Gourmet die Käferchen. Heute gibt es sie nur noch als „Schoko-Käfer“.

Doch lassen wir Lukullus und widmen uns der Biologie: Nur wenige Wochen dauert das Gastspiel der nimmersatten Brummer, die sich Ende April oder Anfang Mai aus dem Boden graben und ausschwärmen. Maikäfer sind oft abends oder nachts auf Achse, umschwirren die Kronen der Bäume, deren Blätter sie verputzen möchten. Man hört die Maikäfer aber nicht nur surren.

Man kann den Kot rieseln hören

Wenn man die Ohren spitzt, kann man auch den Kot der Tiere herabrieseln hören. Die Tiere fressen reichlich und so kann es sein, dass am nächsten Morgen ein ganzer Baum fast kahl gefressen ist. Die meisten kahl gefressenen Bäume erholen sich wieder und bilden mit dem so genannten Johannistrieb im Juni noch einmal neue Blätter. Auf der Speisenkarte stehen Blätter der Eiche und Rosskastanie ganz oben. Aber auch Kirsche, Buche, Apfel, Ahorn, Birne werden gerne genommen. Feldmaikäfer gehen dabei gerne an Obstbäume, Waldmaikäfer bevorzugen Eichen, Buchen und Hainbuchen. Gut ausgestattet sind beide Maikäferarten mit Werkzeugen, mit deren Hilfe er die Blätter zerteilen und in den Mund befördern kann. Besonders pfiffig: Mit Hilfe so genannter „Taster“, auf denen sich auch die Geschmacksorgane befinden, prüft er die Nahrung.
Nach dem reichlichen Essen hängen die Käfer gerne ein wenig ab. Man findet sie am Morgen, wenn es kühl ist, oft an einem Bein kopfüber an den Baum gekrallt. Die Tiere sind nämlich wechselwarm und verfallen in der Frühe in eine Art Kältestarre.

Wenn Summsemann und Summsefrau

Etwa zwei bis acht Tage dauert die Schwarmzeit, in der es nicht nur den Bäumen an den Kragen geht, sondern auch Summsemann und Summsefrau zusammenfinden. Pech für das Männchen: Nach der Paarung geht es bald ein. Die Weibchen aber bohren sich zur Eiablage etwa 10 bis 20 Zentimeter in die warme, lockere Erde. Mit dem Kopf und den zum Graben eingerichteten Vorderbeinen wühlen sie einen Gang und legen dort 60 bis 80 Eier ab. Ein Ei ist etwa so groß wie ein Mohnkorn.
Nach gut vier Wochen schlüpft aus dem Ei eine Larve. Sie sieht eher aus wie ein Wurm und wird Engerling genannt. Doch eine schützende Hülle aus Chitin hat der Engerling bereits.

Auch der Engerling hat Kohldampf. Er ist mit kräftigem Kauwerkzeug ausgerüstet und hält sich an die Wurzeln der Pflanzen. Pech für den Erdbeerbauern, wenn ausgerechnet in seinem Beet Maikäferengerlinge heranwachsen. Der Wurzelfraß der Engerlinge kann verheerend sein. Fachleute haben erforscht, dass bereits ab zwei bis drei Engerlingen je Quadratmeter Waldboden Schäden an Jungbäumen zu befürchten sind. Die gelbweißen Larven wachsen rasch. Die starre Hülle wird zu eng und muss abgestreift werden. Solche Häutung macht der Engerling während seines Larven-Daseins alljährlich durch. Nach drei, vier Jahren ist er fünf bis sechs Zentimeter lang. Dann beginnt der letzte Teil der Metamorphose.

Es dauert Jahre bis der Maikäfer fliegt

Die Larve begibt sich noch einmal eine Etage tiefer ins Erdreich. Sie verpuppt sich in etwa einem Meter Tiefe. Dort streift sie ihre letzte Larvenhaut ab und wird zur Puppe. Von außen betrachtet scheint die Puppe unbeweglich. Ohne zu fressen, verharrt sie vier bis acht Wochen in dieser Position. Innen aber geschieht die Umwandlung zum Maikäfer. Aus der gelblich-weißen Puppe wird der braune Maikäfer mit seinen weißen Zacken am Kleid noch im gleichen Herbst. Der fertige Käfer bleibt aber noch bis zum nächsten Frühjahr in seiner „Puppenstube“ und erst wenn die Tage wieder wärmer werden, gräbt er sich durch den Boden ans Licht.
Besonders auffällig am Maikäfer sind die Fühler. Sie sind stark gegliedert und enden fächerförmig mit spreizbaren Blättchen. Beim Männchen sind es sieben, beim Weibchen sechs Blättchen. Mit diesen Fühlerblättchen riecht der Maikäfer. Ihre Oberfläche ist mit zahlreichen kleinen Riechgruben übersät. Mit bis zu 50.000 Geruchssensoren spüren die Männchen paarungsbereite Weibchen auf. Der Maikäfer kann nicht nur gut riechen, er sieht auch einen recht guten Überblick mit seinen Facettenaugen, die aus bis zu 6000 nach allen Richtungen blickenden Einzelaugen bestehen.

Allerdings ist der Brummer wahrlich kein Flugkünstler. Der Flug ist plump und der Käfer kommt meist nicht weit. Beim Fliegen hält er die beiden braunen Vorderflügel starr vom Körper ab, die häutigen Hinterflügeln treiben den Käfer wie ein Propeller vorwärts durch die Luft. >Doch bevor der Maikäfer startet, muss er sich erst aufpumpen: Er lüftet die Flügeldecken leicht und hebt und senkt den Hinterleib im Takt. Maikäfer versorgen sich mit frischer Luft nicht über Lunge und Blutkreislauf, sondern durch ein so genanntes Tracheensystem. Das sind kleine Röhren, die mit Luft gefüllt sind. Mit dem Pumpen vor dem Abflug, presst der Maikäfer Luft aus den Tracheen, neue strömt nach und wird in sogenannten Tracheenblasen gespeichert, um den Körper während des Fluges mit Atemluft zu versorgen. Ist der Käfer „vollgepumpt“ spannen sich auch die Hinterflügel und er kann endlich starten.

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