Diese Schubladen! Oder: Mutterns Stricknadel

0 22.08.2025

Ich wette mein ganzes Taschengeld: Eine Schublade wie diese gibt es wohl in jedem Haushalt. Dort findet man - wenn man großes Glück hat - alles, was man irgendwann man wegversteckt-aufgeräumt hat. Topflappen, Eierschneider, Schlüsselbund, alter Ausweis, Schere, noch 'ne Schere, aber kleiner, ein Schneebeesen, für den Fall, dass der andere kaputt geht, Teeei, ein paar Groschen (die Schublade stammt noch aus dem vorigen Jahrtausend), ein altes Brillenglas, eine Spaßbrille mit Gläsern in Herzchenform, Milchaufschäumer, ein Aschenbecher aus bedeutend schlechteren Zeiten und noch ganz, ganz viele "Wo-Isse". Sie wissen nicht, was ein Wo-iss ist? "Wo ist denn eigentlich der Zollstock?" Oder "Wo ist das Rabattmarkenheft? -  Das kommt zugegebener Maßen heute nicht mehr so oft vor.  

Im aktuellen Fall war der gesuchte "Wo-Iss" ein Holzstäbchen, mit dem man die Garprobe bei einem Kuchen machen kann. In diesem Fall beim Apfelkuchen. Aber "Wo-Iss" war verschwunden. Da half nur die Schubladde. Dort tauchte unversehens Mutterns Stricknadel auf. Ich weiß, zum Stricken braucht es zwei, oder eine Rundstricknadel, bei der die beiden Nadeln mit einem Plastikdingen verbunden sind. Damit kann - wer kann - Norwegerpullover stricken.

Mutterns Stricknadel aber ist eine ganz besondere. In wie viele Kuchen, Stuten, Tortenböden mag sie damit im Laufe ihres langen Lebens gestochen haben? Sonntags gab es immer Kuchen. Entweder einen Tortenboden oder einen Rodonkuchen - meist mit Rosinen. Und dann die Festtage. Da glänzte Muttern mit Torten. Samstags gab es, wenn sie genügend Zeit und Kraft hatte, eine riesigen Hefestuten, Mit Wucht knallte sie den Teigballen auf den Tisch, wieder und immer wieder. Dann zwackte sie ein kleines Stückchen ab. Das war der Extra-Stuten für Klein-Monica. Der musste natürlich früher aus dem Ofen als der Kilokerl.

Zurück zur Stricknadel. Sie ist nicht mehr ganz gerade. Klein-Monica fand nämlich überall am alten Küchentisch Ritzen und Rillen, in die man mit der Spitze ganz tief hinein- und nicht immer einfach wieder herauskam. Das war für Muttern mit einigen Einschränkungen gerade noch in Ordnung. Verboten war allerdings ganz streng das Prockeln in den Ohren mit dem Dingen.

Na gut. Mutterns Argumente waren nicht zu entkräften.

Der Apfelkuchen schließlich gelang doch ganz gut. Irgendwo tauchte dann doch ein Schaschlikspießchen auf. Der Kuchen war gar, nichts mehr blieb am Stäbchen hängen. Alles paletti.

So. Bis demnächst

Ihre und Eure Monica

 

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