Die Glücksbringer kommen

Wer Marienkäfer im Garten hat, braucht sich über Blattläuse nicht zu ärgern

0 15.04.2022

Marienkäfer kennt ein jedes Kind, nicht nur weil ihre in buntes Stanniol gepackten Vertreter aus Schokolade im Frühling die Freude auf Ostern wecken. Sie gelten als Glückskäfer schlechthin. Rund 70 verschiedene Arten gibt es in Deutschland, weltweit sollen es sogar 4.500 Arten sein. Dabei kommen sie nicht immer - wie der hier wohl bekannteste Käfer, der Siebenpunkt-Marienkäfer - rot-schwarz daher. Sie können auch gelb, schwarz oder orange sein.

Sie alle standen bei uns zu Hause unter „Naturschutz“, wurden sogar im Blumentopf auf der Fensterbank willkommen geheißen und nicht an die frische Luft expediert wie die großen Spinnen. Das hatte nur einen Grund: Allen Arten gemeinsam ist ihr enormer Kohldampf. Blattläuse stehen auf dem Speisezettel. Blattläuse von morgens bis abends. Der klassische Marienkäfer frisst 50 bis 100 Blattläuse am Tag.

Auch die Marienkäfer-Larven haben Appetit. Sie verspeisen während der drei Wochen bis zu ihrer Verpuppung zwischen 400 und 600 Blattläuse. Deshalb werden sie auch Blattlaus-Löwen genannt. Bis zu 100000 Läuse können die Nachkommen eines einzigen Käfers vertilgen. Angeblich soll die Jungfrau Maria persönlich dafür gesorgt haben, dass diese süßen Käferchen (auch auf unserer Fensterbank) Blattläuse bekämpfen. Daher der Name. Heute werden die Marienkäferarten meist nach der Anzahl der Punkte auf den Flügeldecken. Wer also - wie wir Kinder - geglaubt hat, dass Marienkäfer mit steigendem Alter einen Punkt mehr auf ihren Flügeldecken haben, ist auf dem Holzweg.

Und auch hier irrten wir Kinder: Wer Marienkäfer berührt oder in die Hand nimmt, wird das gelbliche Sekret bemerken, das die Käfer bei Gefahr ausscheiden. Es ist kein „Marienkäferpipi“. Dieses aus Poren in der Gelenkhaut ausgeschiedene Sekret riecht nicht nur streng, es ist auch giftig für Ameisen. Ameisen, die ja "ihre" Zucker produzierenden Blattläuse beschützen wollen und dabei auch Marienkäfer angreifen, werden mit dem Sekret wirkungsvoll in die Flucht geschlagen.

Hobby-Gärtner sollten sich also über Marienkäfer in ihrem Garten freuen, ganz gleich ob sie zwei, sieben, 14 oder 22 Punkte auf ihren Flügeln tragen. Sie können auf den Einsatz der Giftspritze gegen Läuse verzichten.

Auch im gewerbsmäßigen Gartenbau werden Marienkäfer als biologische Waffe gegen Blattläuse eingesetzt. Gezüchtete Käfer werden in großen Mengen in Gewächshäusern eingesetzt. Dabei werden nicht nur heimische Käfer losgelassen. Besonders gefräßig ist der asiatische Harlekin-Marienkäfer. Doch Harmonia axyridis, so der wissenschaftliche Name, büxte aus und fand sich auch außerhalb der Gewächshäuser bestens zurecht. Inzwischen ist er überall in Deutschland zu finden, an manchen Orten hat er dem Siebenpunkt-Marienkäfer den Rang abgelaufen. Er hat das überzeugendere Überlebenskonzept.

Der Harlekin frisst nämlich nicht nur Blattläuse (bis zu 250 am Tag), sondern auch Gallmückenlarven, Larven konkurrierender Marienkäferarten und viele andere Insekten.Und wo der Siebenpunkt einmal im Jahr Nachwuchs zeugt, sind es bei Harmonia wenigstens zwei neue Generationen, je nach Witterung und Nahrungsangebot auch drei bis vier.

Kartierungen des NABU (Naturschutzbundes) haben ergeben, dass Harmonia auch in Deutschland inzwischen vielerorts häufiger ist, als alle heimischen Arten.

Zu den Bildern:  Der Blattlaus-Löwe sieht beinahe furchterregend aus. Foto: Pixabay

Marienkäfer bringen Glück, besonders wenn sie aus Schokolade bestehen. Foto: Pixabay

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