Der schlechte Ruf färbt ab

Dabei ist die Streifenwanze ein hübsches Insekt

0 08.09.2019

Sechzehn von den weltweit etwa 40000 bekannten Arten haben einer ganzen biologischen Ordnung einen schlechten Ruf verpasst. Bei dem Wort „Wanze“ denken viele Menschen sofort an Bettwanzen, fiese Schädlinge, die nachts übel beißen. Doch die Bettwanzen bilden unter den Wanzen nur eine kleine Gruppe, die auch noch stark von der typischen Gestalt der anderen 3000 in Europa vorkommenden Wanzen-Arten abweicht.

Hier soll von einer wirklich hübschen Wanze die Rede sein. Die Streifenwanze (Graphosoma lineatum) ist unverwechselbar.

Die Tiere erreichen eine Körperlänge von 8 bis 12 Millimetern. Sie sind durch ihr auffälliges, namensgebendes Streifenmuster unverwechselbar. Sie tragen auf der Oberseite sechs schwarze Längsstreifen auf rotem oder gelbrotem Grund. Die Unterseite ist rot und trägt schwarze Punkte. Passend dazu sind Fühler und Beine schwarz. Groß ist das Schildchen, das die gesamten Vorderflügel überdeckt. Das Schildchen war ursprünglich und ist auch heute noch bei den meisten Wanzenfamilien ein kleines Dreieck zwischen den Flügelansätzen. Bei einigen Wanzenfamilien, wie z.B. den Baumwanzen - der Familie, der die Streifenwanze angehört - hat es sich jedoch im Verlauf der Evolution vergrößert. Das gibt der Wanze ein käferartiges Aussehen.

Die Art ist inzwischen in ganz Europa verbreitet. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Nordgrenze weiter nach Norden verschoben,so dass man nun auch in Jütland und Südschweden auf Streifenwanzen trifft.

Die hübschen Tierchen lieben Doldenblütler wie etwa Kerbel, Pastinaken, Engelwurzen, Möhren, Giersch, Mannstreu etc. In Gärten probieren sie gerne Dill oder Fenchel. Die Nymphen (das sind die noch nicht geschlechtsreifen Jungtiere) und auch die erwachsenen Tiere (so genannte Imagines) haben das gleiche Leibgericht. Sie sitzen auf den Doldenblütlern und saugen dort an den reifenden Samen.

Hochzeit feiern die Wanzen im Streifenanzug Ende Mai und im Juni. Vier Wochen später legen die Weibchen ihre Eier ab. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, daraus die Nymphen und dann erst kommen die erwachsenen Wanzen. Die ersten Erwachsenen findet man ab Ende Juli, Nymphen kann man bis in den Oktober beobachten. Pro Jahr gibt es übrigens nur eine neue Wanzengeneration.

Streifenwanzen haben es gut. Ihre auffällige Färbung signalisiert den Fressfeinden: Vorsicht, ich bin giftig. Im Frühsommer ist die Wanze kräftig rot, fast purpurfarben ist, zum Hochsommer hin lässt die Intensität der Farbe nach und sie wird orange-rot. Versuchen sich Frosch, Kröte und Vogel an einer Streifenwanze, spucken sie das Insekt schnell wieder aus oder lassen es fallen. Die Wanze schmeckt offenbar abscheulich.

Zum Foto von Uwe van Hoorn: Der zugespitzte Hinterleib macht das gestreifte Insekt als Wanze erkennbar. Sonst würde man es vielleicht für einen Käfer halten.

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