Dem Frosch ging’s an den Kragen

Graureiher haben auch Appetit auf Amphibien und Insekten

0 28.05.2026

„Fischreiher“: Das war gestern. Naturschützer und Ornithologen vermeiden seit langem den Begriff „Fischreiher“, weil er falsche Assoziationen weckte, den Vogel gar als „Fischräuber“ erscheinen ließ. Er wurde deshalb früher gnadenlos verfolgt. Als Graureiher steigt Ardea cinerea, so der wissenschaftliche Name wie der Phoenix aus der Asche empor. Der Bestand erholte sich gut.

Das imposante Foto von Hans-Dieter Dommer belegt eindrücklich, dass ein Graureiher mehr auf das Speisekarte hat mag.

„Wir hatten im Frühjahr die schöne Gelegenheit, Kröten und Fröschen bei ihrer Wanderung zum Laichgewässer behilflich zu sein, sammelten sie in Eimern und trugen sie am frühen Abend zum nahegelegenen Teich“, erzählt Dommer, der viele Jahre lang für die Borbecker Nachrichten Naturfotos beisteuerte. „Für uns und unsere Enkel, ein schönes Erlebnis! Tags darauf, nun bei Tageslicht, schauten wir nach ihnen um zu erfahren, ob sie alles gut überstanden hatten.“

Doch als Kröte und Co. in Stimmung waren, hatte sich der Reiher bereits am Laichgewässer positioniert. „Ihm bot sich hier ein Schlaraffenland“. Der Vogel brauchte nicht viel Geduld und wartete am Ufer auf die Leckerbissen. „Er beugte sich mal nach links und mal nach rechts und jedes Mal erwischte er einen Frosch oder eine Kröte. Die noch zappelnden Tiere wurden von ihm bei lebendigem Leibe verschluckt!“

Meist ist Ausdauer ist Trumpf beim Reiher: Oft sieht man ihn reglos wie eine Statue am Uferrand eines Sees oder Teiches stehen, minutenlang. Dann langt er plötzlich zu.

Der Vogel sieht elegant aus mit seinem langen Hals. Der lange, spitzen Schnabel ist ein perfektes Werkzeug zum Fischen. Eindrucksvoll ist auch die Größe des Tieres: Er wird etwa einen Meter groß und hat eine beachtliche Flügelspannweite von etwa 1,80 Meter. Das Gefieder ist grau (daher der passende Name!), der Kopf weiß. Besonders markant ist die schwarze Augenbinde, die sich zu langen Schmuckfedern verlängert.

Nicht nur, was im Wasser lebt, steht auf dem Speisezettel des Grauen. Auch Insekten, Reptilien und sogar kleine Vögel scheinen ihm zu schmecken.

Inzwischen sind Graureiher wieder weit verbreitet. Man sieht ihn an der Emscher wie am Baldeneysee oft das ganz Jahr über.

Zum Brüten zieht es die Reiher in die Baumwipfel. Sie sind dann gesellig und bauen ihre großen Nester in so genannten Reiherkolonien. Das Gelege – etwa drei bis fünf Eier – wird von den Eltern gemeinschaftlich bebrütet. Gebrütet wird zwischen März und Juni etwa 25 bis 28 Tage lang. Nach sechs bis acht Wochen schlüpfen die Reiher. Dann braucht es noch einmal bis zu 55 Tage bis die Kleinen ausfliegen. Mit etwas etwas Glück werden sie in freier Natur 20 Jahre alt.

 

Zum Foto: Dem armen Frosch – oder war es eine Kröte?  – ging es an den Kragen. Der Graureiher verschluckte das noch zappelnde Tier. Foto: Hans-Dieter Dommer.

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