Deko-Wahn hätte vor über 100 Jahren die Stechpalme beinahe ausgerottet

Ilex ist der Baum des Jahres 2021

0 08.01.2021

Wirkt exotisch, ist aber eine Europäerin durch und durch: „Die Stechpalme ist ein Paradebeispiel für gelebten Artenschutz, dank dem sich die Bestände in den letzten hundert Jahren in Deutschland deutlich erholt haben“, erklärt Stefan Meier, Präsident der Baum-des -Jahres-Stiftung, die das immergrüne Gewächs zum Baum des Jahres 2021 erklärt hat.

Es waren Forstleute, Naturschützer und Politiker, die in den 1920er Jahren auf den dramatischen Rückgang der Stechpalme reagierten: Zuvor hatte sich die Art als winterliche Feiertagsdekoration so großer Beliebtheit erfreut, dass sie in ganzen Wagenladungen aus den Wäldern transportiert wurde. Seitdem steht in Deutschland der wildwachsende Ilex unter besonderem Schutz. Mit Erfolg: Die Bestände haben sich erholt.

Seit Urzeiten in Europa beheimatet, hat Ilex aquifolia sich nach und nach auch Lebensräume in Skandinavien und Polen erschlossen. Sie wächst häufig im Unterholz schattiger Laubwälder als Strauch und ist ein wertvoller Baustein des Artenreichtums in unseren Wäldern.

Der immergrüne Strauch ist ein hervorragender Brutplatz und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Bienen und Hummeln.

Bevorzugt wächst die Stechpalme auf nährstoffreichen und kalkarmen, lockeren oder auch steinigen Lehmböden. Die Stechpalme bildet Wurzelsprosse und wächst deshalb oft in großen Beständen. In Borbeck findet man sie im Schlosspark.

Die Stechpalme beherrscht einen Trick: Zum Schutz vor Verbiss durch Wildtiere bildet sie die stacheligen Spitzen ihrer Blätter in der Regel bis zwei Meter Höhe aus. Wo das Wild nicht mehr knabbern kann, verzichtet der Strauch auf stachelige Blätter.

Der zweihäusige Strauch oder Baum (das heißt: es gibt männliche und weibliche Pflanzen) blüht im Mai und Juni. Die weißen unscheinbaren Blüten wachsen in Büscheln in den Blattachseln vorjähriger Blätter. Insekten, vor allem Bienen, bestäuben die Blüten im Mai bis Juni.

Die Früchte sind 8 bis 10 Millimeter große, erbsenförmige, rote, glänzende, saftige Steinfrüchte. Sie enthalten vier Samen, die etwa ab Oktober reif sind.

Doch aufgepasst: Die hübschen roten „Beeren“ sind wie die anderen Pflanzenteile giftig. Der Verzehr einiger Früchte und weiterer Pflanzenteile kann Leibschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall zur Folge haben. Gelegentlich treten Bewusstseinsveränderungen auf.

Die Samen werden von Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Mönchgrasmücken verbreitet. Den Vögeln schaden die Giftstoffe der Früchte offenbar nicht. Die Früchte werden erst weich und für Vögel genießbar, wenn sie Frost bekommen haben; sie können den ganzen Winter ohne zu verderben an der Pflanze bleiben. Die immergrüne Stechpalme ist im Winter auch ein beliebter Schlafplatz für kleinere Vögel.

Also: Die Stechpalme, auch Walddistel, Hülse oder Hulstbaum genannt, ist in Deutschland besonders geschützt und darf nicht aus der Natur entnommen werden. Ilex aquifolia stockt heute in Europa dort, wo die Winter mild und die Sommer nicht zu trocken sind.

Als Ziergehölz hat die Stechpalme ihren Siegeszug schon lange angetreten und ist heute in kaum überschaubarer Farb- und Formenfülle in Gärten und Parks vertreten.

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