Das Pfaffenhütchen ist ein Spätzünder: Es braucht vier, fünf Winter bevor es blühen kann

Seine Früchte sehen drollig aus, sind aber für Menschen giftig

0 12.11.2021

Unvergessen ist Fernandel in der Rolle des Pfarrers Don Camillo, der sich in einer italienischen Kleinstadt mit dem kommunistischen Bürgermeister Peppone ständige Auseinandersetzungen liefert. Don Camillo trug so ein „Birett“, das einem unserer häufigsten heimischen Sträucher seinen Namen gab: Das Europäische Pfaffenhütchen oder der ist auch noch im Spätherbst besonders hübsch anzuschauen. Denn er zeigt seine farbenprächtigen Früchte: Orangefarbene Samen in roter Umhüllung. Doch auch sein Laub ist in dieser Jahreszeit attraktiv gefärbt.

Das Pfaffenhütchen ist ein bis zu 6 m hoher Strauch, dessen Äste seitwärts abstehen. Die jungen Zweige sind grün, kantig mit vier korkigen Längsstreifen. Mit zunehmendem Alter verfärbt sich die Rinde graugrün bis graubraun. Das Wurzelwerk ist sehr dicht und sichert den Boden an Uferböschungen. Der Strauch kann immer wieder ausschlagen und verträgt es, tüchtig zurückgeschnitten zu werden. (Der Gärtner sagt: „auf den Stock setzen“.)

Überhaupt ist er sehr vielseitig: Tendenziell bevorzugt der Strauch eher kalkhaltigen, trockenen Untergrund, er kann aber auch feuchten Boden vertragen, er liebt lichten Laubwald, gedeiht in Flussauen und an Waldrändern. Sein zähes Holz wurde früher zum Herstellen von Stricknadeln, Spindeln (daher auch der weitere Name Spindelstrauch/Euonymus europaeus), Schuhnägeln, Orgelpfeifen und Zeichenkohle verwendet.

Die Blüten erscheinen im Mai und Juni und sind unscheinbar gelblich-weiß, ab August reifen die Früchte. Die vier Fruchtklappen springen dann auf und geben die an Fäden hängenden, orangerot ummantelten Samen frei. Während die nektarreichen Blüten von Insekten bestäubt werden – meist von Fliegen, aber auch von Bienen oder Ameisen –, stehen die knallbunten Früchte vor allem bei Vögeln hoch im Kurs. Drosseln, Elstern und Rotkehlchen verschleppen die Samen und sorgen so für die Verbreitung der Art.

Das Pfaffenhütchen ist ein Spätzünder: Erst nach vier bis fünf Jahren (also nach mehreren Wintern) keimt der Same.

Pfaffenhütchen: Das klingt niedlich, ist es aber nicht. Den Vögeln macht es nichts aus, Menschen sollten sich vorsehen: Alle Pflanzenteile, vor allem die Samen, enthalten Giftstoffe, darunter herzwirksame Glykoside und verschiedene Alkaloide. Das bekommt selbst großen Tieren auf der Weide nicht; sie können daran sterben. Beim Menschen kann der Verzehr von 30 bis 40 Samen zu Kreislaufstörungen, Fieber und Koliken und im Extremfall sogar zum Tode führen. Auch das ist interessant: Die Giftwirkung tritt erst nach wenigstens zwölf Stunden (und bis zu 18 Stunden) auf. Der wissenschaftliche Gattungsname „Euonymus“ bedeutet so viel wie „von gutem Ruf“. Was das bedeuten soll, kann jeder für sich selber entscheiden.

Dennoch: Das Pfaffenhütchen wurde wegen seiner Inhaltsstoffe in der Volksheilkunde als harntreibendes Mittel verwendet. Gleichzeitig nutzte man ein aus Samen hergestelltes Pulver als Ungeziefermittel gegen Krätzmilben und Läuse.

Wer in seinem Garten Platz hat, sollte ein Pfaffenhütchen setzen. 24 Vogelarten (nach Witt 1995) interessieren sich für die Samen. Weiterhin leben 21 Insektenarten auf der Pflanze, darunter sind sieben Bockkäferarten, je eine Rüsselkäfer- und Wanzenart, fünf Blattlaus- und sieben Kleinschmetterlingsarten.

Zum Bild: Hübsch anzuschauen ist das Pfaffenhütchen ja. Aber alle Pflanzenteile, besonders die Samen, sind sehr giftig! Foto: flora

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