Das Männchen trägt das Hochzeitskleid

Reptil des Jahres 2020 hockt noch bis März in seinem Versteck

0 07.02.2020

Sie liebt die Wärme und daher findet man die Zauneidechse, wenn ab März die ersten warmen Sonnenstrahlen auch die Menschen an die frische Luft locken, gerne auf einem Mäuerchen ein Sonnenbad nehmen. Sie entfernt sich nie weit von ihrem Unterschlupf; das kann eine Mauerspalte sein oder ein kleines Erdloch. Wird sie erschreckt – zack – flüchtet sie eiligst in ihr Versteck.

Obwohl die Zauneidechsen recht anpassungsfähig sind, wurde „Lacerta agilis“ (so der wissenschaftliche Name) von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum „Reptil des Jahres 2020“ ernannt.

Die Zauneidechse ist ein Kriechtier bzw. Reptil (aus dem Lateinischen repere, kriechen). Zwar hat sie wie Säugetiere vier Gliedmaßen, doch da sie seitlich aus dem Rumpf hervortreten und nach schräg oben stehen, heben die Glieder beim Laufen den Rumpf kaum vom Untergrund ab. Die Eidechse kriecht und schlängelt sich über den Boden zwar erstaunlich schnell. Die Eidechse hat spitze Krallen an den langen freistehenden Fingern und Zehen und kann so geschickt klettern.

Der Körper der Eidechse ist mit einem Schuppenkleid aus Horn bedeckt. Das Schuppenkleid kann nicht wie zum Beispiel der Pelz einer Katze mitwachsen. Daher muss sich das Tier beim Wachsen „häuten“. Dabei werden aber nicht die ganze Haut, sondern nur die abgestorbenen Schuppen abgestreift.

Auch wärmt das Schuppenkleid nicht. Die Eidechse ist also sehr wärmebedürftig. Ist ihr schön warm, ist sie flink auf den Beinen, wird es kalt, dann ruht sie teilnahmslos in ihrem Versteck. Den Winter verbringt sie starr in einem frostsicheren Unterschlupf. Ihre Körpertemperatur steigt und sinkt mit der Umgebungstemperatur.

Bei der Zauneidechse trägt das Männchen das Hochzeitskleid. Ist Paarungszeit, dann färben sich seine Flanken prächtig grün. Das Weibchen ist auf seiner Oberseite graubraun mit weißlichen, dunkelbraun umrandeten Flecken, seine gelbliche Unterseite ist schwarz punktiert. Ähnlich sieht das Männchen aus, wenn es das Hochzeitskleid abgelegt hat.

Etwa die Hälfte des Jahres sind Zauneidechsen aktiv. Die Männchen verlassen die Winterquartiere meist im März/April und beenden ihre Aktivität oft im August. Weibchen erscheinen etwas später; am längsten sind Jungtiere zu beobachten, die sich oft erst im September zurückziehen.

Auf dem Speisezettel stehen Insekten und Spinnen. Heuschrecken und Raupen. Fressen und Gefressen werden: So ist das Leben. Umgekehrt werden die kleinen Reptilien von Vögeln, aber auch von Schlangen oder Säugetieren gefressen – falls sie nicht vorher in ihr Versteck flüchten konnten. Wird sie von ihrem Verfolger am zappelnden Schwanz gepackt, kann sie sich manchmal retten, indem sie den Schwanz abstößt. Zwar kann der Schwanz wieder nachwachsen, doch er erreicht seine ursprüngliche Länge nicht mehr.

Im Juni legt das Weibchen fünf bis 14 weiße weichschalige, bohnengroße Eier in selbstgegrabene Löcher und bedeckt sie mit Erde. Das Ausbrüten überlässt sie der Sonne. Nach etwa acht Wochen schlüpfen die kleinen, etwa vier Zentimeter langen Jungen aus. Da sich die Eltern nicht um sie kümmern, müssen sie sich von Anfang an allein zurecht finden.

Nicht nur die Art selbst ist streng geschützt. Da die Zauneidechse im Anhang der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union aufgelistet wird, ist es zudem verboten, ihre Lebensräume zu beschädigen oder zu zerstören. Dennoch sind Zauneidechsen bei großen Bauvorhaben oft die Leidtragenden und geraten durch teure Abfang- und Umsiedlungsaktionen in den Blick einer kritischen Öffentlichkeit. Anstatt solcher, nur selten erfolgversprechender, Maßnahmen sind die Eingriffsvermeidung sowie Sicherung, Vergrößerung und Vernetzung vorhandener Lebensräume die bessere Lösung.

Zum Bild: Die Zauneidechse wird etwa 17 Zentimeter lang. Foto: flora

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