Das "kleine" Geschäft macht es möglich

Vögel verbreiten Eiben per Verdauung

0 25.11.2022

Mit den Nadelbäumen in unseren Breiten verhält es sich so: Wird einer gefällt, so wächst er nicht wieder nach. Die Eibe aber kann sich verjüngen, schlägt immer wieder aus und wächst immer wieder nach. Und weil das Nachwachsen eine ganze Zeit dauert, schneiden (schon seit der Renaissance) Gärtner Eiben gerne in dekorative Formen. Dass man das kann, ist nur ein Vorzug des immergrünen Nadelbaums aus der Familie der Eibengewächse. Es gibt einige andere.

Taxus baccata, so der wissenschaftliche Name, gedeiht gut auf kalkhaltigen und nährstoffreichen feuchten Böden. Der Baum oder Strauch wird bis zu 20 Meter hoch.

Bis in den Winter trägt die Eibe ihre kleinen roten Früchte – und die „haben es in sich“: Sie sind wichtige Nahrung für mehr als zwanzig Vogelarten, zum Beispiel Amsel, Singdrossel, Buchfink, Meise, Eichelhäher oder Rotkehlchen. Die Vögel revanchieren sich gerne für die Bereicherung des winterlichen Speiseplans. Sie verdauen nur den ungiftigen roten Samenmantel; den Eibensamen scheiden sie unverwertet, aber keimfähig, wieder aus. Durch dieses „kleine Geschäft“ schafft es die Eibe sich zu verbreiten.

Der Samen ist also ungefährlich für Vögel. Auch Rehe und Rothirsche können ungestraft an Rinde und Nadeln nagen. Anderen Tieren bekommt die Eibe überhaupt nicht. Rinde, Holz, Samen und Nadeln enthalten das giftige Taxin, das den Baum selbst vor pflanzenfressenden Insekten schützt.

Auf Mensch, Pferd, Rind und Schwein wirkt das Gift der Eibe tödlich. Deshalb versuchten Fuhrleute und Viehzüchter Eiben an Viehweiden systematisch auszurotten. Hoch im Kurs dagegen stand das harte, aber elastische „Ebenholz“: Man fertigte daraus Armbrüste, Bögen, Flöten und Kleinmöbel. Auch der berühmte „Ötzi“, die Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen, trug einen langen Bogenstab aus Eibenholz bei sich. Der Stiel seines Kupferbeiles war ebenfalls aus Eibenholz gefertigt. Das ist 5200 Jahre her.

Ortsnamen wie „Ibbenbüren“ weisen auf die Bedeutung der Eibe in früherer Zeit hin. Damals wurden die Eibenbestände zu intensiv genutzt. Heute steht der Baum in NRW auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und kommt nur einzeln oder in lockeren Gruppen vor. Natürliche Vorkommen gibt es noch in den Wäldern bei Höxter und Beverungen. Ökologen raten, solche Bestände zu erhalten und zu pflegen. „Wo alte Eiben in Wäldern wachsen, sollten sie verjüngt werden. Junge Eiben sollten in lichteren Beständen, in ausreichender Entfernung zu Schatten werfenden Buchen, stehen. Sie müssen mindestens 15 Jahre durch Schutzhüllen oder Gatter vor Wildverbiss geschützt werden“, heißt es.

In kultivierter Form ist die Eibe häufig in Gärten, Parks und Friedhöfen zu finden. Eine Eibenhecke zu pflanzen ist sinnvoll: Sie bietet Sicht- und Windschutz und gefällt durch ihre roten Früchte, sie lässt sich gut in Form schneiden und lockt viele Vögel an, die Nahrung und Nistplätze finden. Zwar halten auch Nadelbäume – obwohl sie ihre Blätter im Winter behalten (mit Ausnahme der Lärche) – eine Winterruhe, doch können sie im Herbst länger und im Frühjahr eher als Laubbäume Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff produzieren. flora

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