Blüht auch im Winter bis es schneit

Das schmalblättrige Greiskraut ist eine "blühende Gefahr"

0 22.11.2019

Es blüht nicht nur zur Sommerzeit, sondern auch im Dezember – bis es schneit: Das Schmalblättrige Greiskraut breitet sich immer weiter aus. Es wächst am Sammelbahnhof Frintrop, am Kanal, auf Brachen, es ist häufig in ganz Essen. Das ist problematisch, denn Senecio inaequidens, so der wissenschaftliche Name, hat es in sich. Die Pflanze gilt wegen ihrer Pyrrolizidin-Alkaloide als „blühende Gefahr“ für Mensch und Tier.

Das Schmalblättrige Greiskraut ist eine einjährige Staude, die bis zu 60 Zentimeter hoch wird. Schon die jungen Pflanzen verzweigen sich stark, die Stängel sind am Grunde verholzt. Die Laubblätter sind schmal, werden meist nur ein bis drei Millimeter breit und sechs bis sieben Zentimeter lang. Sie sind meist ganzrandig oder fein gezähnt, am Rand oft umgerollt.

Das Greiskraut gehört wie die Aster zur Familie der Korbblütler. Die hellgelben Körbchen erreichen werden etwa 2,5 Zentimeter im Durchschnitt groß. Von April bis Dezember bildet die Pflanze Blüten aus. Diese lange Blühphase ist außerordentlich wirksam: Mehr Samen werden verbreitet – das erledigt meist der Wind – und können fruchten. Zum Beispiel an Autobahnen oder an Eisenbahnlinien – wo der Verkehr Luftverwirbelungen erzeugt – breitet sie sich gut aus. Sie bleibt aber auch z.B. an Reifenprofilen haften und wird so weiter verbreitet. Auch Vögel kommen für die Verbreitung in Betracht.

Hinzu kommt: Senecio inaequidens scheint außergewöhnlich resistent gegen Herbizide und verträgt zum Leidwesen der Bauern Mahd sehr gut.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Senecio inaequidens mit importierter Schafwolle aus Südafrika nach Deutschland kam. Quellen belegen erstmals 1889 das Auftreten der Art in Deutschland bei einer Wollkämmerei in Hannover-Döhren.

Seit den 1970er Jahren breitet sie sich im Westen Deutschlands aus, in den 1990er Jahren besiedelte sie auch östliche Bundesländer. Die Ausbreitung fand überwiegend entlang von Schienen und Straßen statt. Seit 1979 wächst die Art auch auf den Ostfriesischen Inseln, im Jahr 2000 wurde sie auch auf Sylt gefunden.

Das schmalblättrige Greiskraut ist anspruchslos, was den Boden betrifft. Es gedeiht auch auf Kies und Sand, auf den Mittelstreifen der Autobahnen und an Straßenrändern. Daneben besiedelt sie auch seltene natürliche oder naturnahe Lebensräume, wie zum Beispiel Küstendünen der Nordsee oder Felsstandorte. Das wird von Naturschützen mit Sorge beobachtet. Sie befürchten, dass das Greiskraut auf diesen seltenen Standorten ebenfalls seltene Pflanzen verdrängen könnte.

Die ganze Pflanze ist giftig. In ihrer Heimat Südafrika tritt die Art als Ackerunkraut auf und gelangt dort auch immer wieder in die Brotproduktion, was auch Vergiftungen bei Menschen auslösen kann. Doch auch die anderen Greiskräuter, von den es weltweit ein paar tausend Arten (in Mitteleuropa über 30) sind giftig. Die Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) können die Leber schädigen oder Krebs auslösen. Vergiftungssymptome treten meist sehr spät (nach Wochen oder Monaten) auf.

Vergiftungen sind auch über den Genuss von Honig und Kuhmilch möglich. Zwar meidet das Vieh Senecio-Arten auf der Weide, jedoch nicht im Heu. Hohe Greiskraut-Anteile können deshalb starke Schäden verursachen – bei sehr hohen Dosen auch Vergiftungen. Zum Beispiel in Südtirol warnen auch die Imker vor dem blühenden Gift. Seit 2008 nimmt das Schmalblättrige Greiskraut dort Brachen in Beschlag. Die Pflanze hat sich darauf spezialisiert, als Pionier Böden und Flächen zu besiedeln, die einerseits nicht intensiv genutzt werden, andererseits sehr trocken sind. Von dort aus besiedelt die Pflanze auch bearbeitete Flächen. Die Imker befürchten, dass ihr Honig – wenn die Pflanze nicht bekämpft wird – eines Tages einen zu hohen PA-Wert aufweisen könnte und sie ihn dann vom Markt nehmen müssen. flora

Zum Bild: Im Ruhrgebiet sind drei Greiskrautarten besonders häufig: Das gewöhnliche Greiskraut, das Jakobskreuzkraut und das schmalblättrige Greiskraut (im Bild). Alle Arten sind giftig. flora

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