Bis zu 450 Stinkerchen pro Jahr

Die Marmorierte Baumwanze breitet sich in Deutschland aus

0 02.09.2022

Außer der winzigen Larve des Himbeerkäfers gibt es weitere Mitesser am Himbeerstrauch. Sie haben keine Scheu, fliegen nicht auf obwohl sie sehr gut fliegen können. Sie setzen hingegen unbekümmert ihre Mahlzeit fort. Es ist die Marmorierte Baumwanze, die sich wahllos am Obst bedient, die sich nicht verscheuchen lässt und mehr noch: Sie stinkt übel, wenn man ihr zu nahe kommt. Das hat ihr auch den Trivialnamen „Stinkwanze“ eingebracht.

In unseren Breiten ist diese Wanzenart seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Im professionellen Gartenbau kann sie erhebliche Ernteeinbußen verusachen, weil sie ihren Rüssel in alle möglichen Früchte steckt und Pflanzensaft absaugt. In Europa hat sie 150 verschiedene Pflanzenarten auf ihrem Speisezettel stehen. Darunter auch Mais, Spargel, Bohnen, Soja, Tomaten, Gurken, Paprika, Kartoffeln sowie Kirschlorbeer und Sommerflieder.

Die Wanze ist etwa anderthalb Zentimeter groß und ockerfarben marmoriert mit schwarzen Punkten. Ihre langen Fühler sind weiß-dunkel geringelt. Fachleute beschreiben sie wie folgt: „Charakteristisch ist eine schwarz-weiße Fleckenzeichnung am Rand der hinteren Hälfte des blattförmigen Körpers. Am hinteren Ende des Körpers befindet sich der dünnhäutige, transparente Teil der Flügel, geprägt durch schwarze Striche. Fernerhin ist zwischen den Flügeln ein Schildchen zu erkennen mit einer Reihe aus mehreren, orangefarbenen Schwielen. Diese Punktreihe räumt letzte Zweifel an der Artzugehörigkeit aus dem Weg.“

Sie kam aus Ostasien nach Europa gereist und es gefällt ihr gut hier. Sie hat in unseren Breiten nämlich keine Fressfeinde. Und so kann sie sich hier munter verbreiten. Anfang des neuen Jahrtausends wurde das Tier nach Nordamerika eingeschleppt, in Europa wurde sie 2007 in der Schweiz gesichtet. Erste Funde in Deutschland wurden 2011 am Bodensee gemeldet. Unser Foto entstand im August 2022 im Landschaftspark Duiburg Nord.

Im Winter sucht sich das erwachsene Insekt ein muckelig-warmes Plätzchen in Häusern oder Wohnungen, um dort ein Winterschläfchen zu halten. Dann fängt man sie am besten mit Hilfe eines Bechers oder Glases ein und setzt sie an die frische Luft.

Wird es im Frühling wärmer, werden Wanzen wach und haben Kohldampf. Sie saugen dann den Saft junger Pflänzchen. Mitte Mai halten sie Brautschau. Begattete Weibchen legen Eier in kleinen Paketen an Blattunterseiten ab. In jedem Gelege befinden sich 28 Eier. Das haben Experten herausgefunden.

Bis Ende Juli sind die Weibchen mit Eierlegen beschäftigt. So kommen sie auf bis zu 450 kleine Stinkerchen pro Saison, die schon wenige Tage nach der Eiablage schlüpfen. Eine Larve kommt als so genannte Nymphe zur Welt. In diesem Stadium ist sie winzig und noch nicht vollständig entwickelt. Insgesamt fünf Entwicklungsstadien durchläuft die Larve bis zum erwachsenen, geschlechtsreifen Exemplar. Wenn alles glatt läuft für die Stinkwanze produziert sie eine zweite Generation im Jahr.

Mit einem stinkenden Sekret setzt sich das Insekt Fraßfeinden zur Wehr. Die instensiv übelriechende Flüssigkeit wird versprüht. Giftig ist sie aber nicht und beißen kann die Wanze Mensch und Tier auch nicht.

Übrigens: Die zum Verwechseln ähnlich sehende Graue Gartenwanze ist eine heimische Baumwanzen-Art. Die Graue Gartenwanze muss nicht bekämpft werden. Aber Achtung: Auch sie kann mächtig stinken.

Zum Bild: Diese marmorierte Baumwanze wollte sich ein stilles Örtchen auf der Toilette sichern. Foto: flora

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