Baumaterial besorgt das Männchen

Das Blesshuhn-Weibchen macht das Nest bequem und sicher

1 22.04.2021

Ein Zimmer mit fließendem Wasser hat sich dieses Blesshuhnpaar in Altendorf ausgesucht (Foto: Andreas Koerner). Der Himmel weiß warum ausgerechnet der Springbrunnen im Niederfeldsee so beliebt ist bei dem Paar, dass es jetzt schon zum wiederholten Male versucht dort zu brüten. Zwei „Übrigense“ möchte ich an dieser Stelle anmerken: 1. Man darf sowohl Blässhuhn als auch Blesshuhn schreiben und 2. auch Werdener können sich – trotz der meist schlechten Presse über die Altendorfer - an den Krupp-See und Niederfeldsee trauen. Flora ist noch nie etwas zugestoßen. Also: Nur Mut.

Das Blesshuhn (Fulica atra) ist in etwa so groß wie ein kleines Haushuhn. Es zählt zur Familie der Rallen, ist also weder Ente noch Gans. Blesshühner gehören zu den häufigsten Wasservögel in unseren Breiten. Sie lieben nährstoffreiche Gewässer und deshalb findet man sie auf Teichen und Tümpel in der Stadt. Ihr Gefieder ist kohlpechrabenschwarz oder schwärzlichbraun, nur über dem Schnabel sind die Vögel weiß und diese so genannten „Blesse“ (übrigens ein Hornschild) hat ihnen auch den Namen eingetragen. Im Gefieder unterscheiden sich Männchen und Weibchen nicht. Die Blesse des Männchens ist etwas größer. Und überhaupt: Die Männchen bringen im Schnitt 200 Gramm mehr auf die Waage (900 g) als die Weibchen.

Die Iris der Augen ist rot bis dunkel braunrot gefärbt. Der Kopf des Blesshuhns ist recht klein, der Schwanz kurz. Es schwimmt wie eine Ente auf dem Wasser, liegt aber wie ein Kreuzfahrtschiff relativ hoch im Wasser. Der Schnabel ist weiß oder leicht rosa und spitz.

Die Füße des Wasservogels sind kräftig und die langen Zehen mit Schwimmlappen versehen, im Gegensatz zu den Enten, die Schwimmhäute haben zwischen den Zehen. Die Läufe sind hell aschgrau, blass grünlich gelb oder grellgelb gefärbt. Das Fersengelenk wird mit zunehmendem Alter kräftiger braun. Die Zehen und Schwimmlappen sind bleich olivfarben mit blaugrünen Gelenken. Die Lappenränder sind dunkel.

Das Blesshuhn ist recht häufig in unseren Breiten und kommt als Brutvogel an stehenden oder langsam fließenden Gewässern vor, an denen flache Ufer und eine als Nistplatz geeignete Ufervegetation wie beispielsweise eine gut ausgeprägte Röhrichtzone oder ins Wasser ragende Gebüsche vorhanden sind. Neben flachen, krautigen Stellen sollte es aber auch offene Wasserflächen geben. Dabei spielt die Größe des Teichs oder Tümpels eine untergeordnete Rolle. Bei uns findet man das Blesshuhn im flachen Wasser, in Fisch- und Klärteichen oder Entwässerungsgräben, Kiesgruben, Baggerseen und Regenrückhaltebecken. In Parks an langsam fließenden Flüssen und an Altarmen.

Blesshühner sind Allesfresser. Frische und faulende Pflanzenteile spielen eine erhebliche Rolle. Sie fressen außerdem Abfälle und Entenfutter, kleine Mollusken wie beispielsweise Wandermuscheln und Schnecken sowie Insekten und deren Larven. Auch kleine Fische werden gefressen. Während des Sommers haben die Vögel Appetit auf Schilf, wegen seines hohen Gehalts an Rohproteinen und Kohlenhydraten. Bei reiner Ernährung von Blättern und Trieben von Schilf benötigen die Tiere täglich knapp ihr Körpergewicht. Das stelle man sich mal in Farbe vor!

Paare finden sich meist zu einer monogamen Saisonehe zusammen. Wiederverpaarungen in mehreren Folgejahren oder Paarzusammenhalt im Winterhalbjahr sind jedoch nicht ungewöhnlich. In der Regel gibt es eine Jahresbrut, häufig aber auch zwei. Erfahrene Vogeleltern bringen es auf drei, selten vier Gelege im Jahr, besonders wenn Gelege verloren gehen.

Der Nestbau kann ab Februar beginnen.Die Legezeit beginnt frühestens ab Anfang März, liegt meist zwischen Anfang/Mitte April und Ende Juli und kann sich bis in den August hinein erstrecken.

Das Männchen wählt vermutlich den Nistplatz. Es baut nämlich oft erst an mehreren Stellen Nestunterlagen, bevor es sich für eine entscheidet. Meist befindet sich der Nistplatz gut gedeckt in der Ufervegetation in der Nähe des offenen Wassers.

Das Nest ist recht groß. Gebaut wird aus Halmen von Schilf, Rohrkolben, Teichsimsen oder anderen Uferpflanzen. Bis zu einem halben Meter breit kann das Nest werden und 30 Zentimeter hoch. In die Mulde legen die Blesshühner feines Material: Gras und Blätter.

Das Männchen schafft das Material herbei: Es schwimmt zum „Baumarkt“ und besorgt die Halme. Das Weibchen verbaut sie. Bis die beiden fertig sind können mehr als 20 Tage vergehen. Auch während der Brutzeit wird weitergebaut. Fünf bis zehn Eier legt das Weibchen meist. Mit der Bebrütung beginnt es, sobald drei oder vier Eier im Nest liegen. Nach etwa 19 bis 24 Tagen schlüpfen die Kleinen, das kann im Abstand von einem Tag sein.

Junge Blesshühner sind Nestflüchter, die bereits nach kurzer Zeit schwimmen können, die aber meist noch zwei bis Tage im Brutnest beschützt, gewärmt (also gehudert) und gefüttert werden. Vier bis fünf Wochen bleibt die Familie beisammen, mit acht Wochen sind die Jungen komplett selbstständig, bleiben aber oft noch lange im Revier.

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Kommentare

Kommentar von Marita Wiersch |

Das Nest habe ich bereits bei WhatsApp im Status gesehen.
Hatte ein Freund gepostet.
Schön, dass ich, durch deinen Artikel, jetzt so viele Informationen bekommen habe.
Danke, liebe "Moni"

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