Bärenstarker Lauch

Am "Duft" kann man ihn erkennen

0 08.05.2019

In diesen Wochen blühten in den Wäldern und Parks Nordrhein-Westfalens die Wildkräuter und -blumen um die Wette. Auch der Bärlauch – vielerorts ist er jetzt schon verblüht - bedeckte mit seinen weißen Blütenteppichen die humusreichen, feuchten Waldböden. Schwerpunkte der Verbreitung sind die Kalkbuchenwälder des Teutoburger Waldes, des Sauerlandes und der Eifel. Weitere nennenswerte Vorkommen findet man in den Beckumer Bergen und den Baumbergen im Münsterland. Am Niederrhein kommt der Bärlauch fast gar nicht, in anderen Gegenden relativ selten vor. Landesweit ist die Pflanze aber nicht gefährdet.

Auch in Essen gibt es Bärlauchpflanzen. Das Foto zeigt nämlich einen Nachzügler aus einem Naturgarten. Bärlauch wird bis zu 30 Zentimeter hoch und bringt in Dolden angeordnete, sternförmige Blüten hervor. Dort lassen sich an schönen Tagen Schmetterlinge wie Zitronenfalter und Tagpfauenauge sowie andere Insekten nieder, um Nektar zu saugen. Einige Bärlauchsamen werden von Ameisen gesammelt. Auf dem Weg zum Ameisenbau geht ein Teil der Beute verloren und sorgt für Verbreitung der Pflanze. Zum Kennenlernen dieser reizvollen Naturereignisse rund um den Bärlauch bleibt dem Naturfreund allerdings nur Zeit bis Mai. Wenn sich das Blätterdach der Laubäume langsam schließt und weniger Licht durchlässt, hat der Bärlauch einen großen Teil seines Lebenszyklus abgeschlossen und zieht sich wieder in den Boden zurück.

Wo viel Bärlauch wächst, riecht es intensiv nach Knoblauch. Nicht ohne Grund haben unsere Vorfahren die Pflanze auch Waldknoblauch und Wilder Knofel genannt. Der Name Bärlauch dagegen geht auf den Braunbären zurück, der sich nach dem Winterschlaf damit den Bauch vollschlägt. Die alten Germanen sollen es den Bären nachgemacht haben. Sie glaubten, durch den Verzehr von Bärlauch bärenstark zu werden. Auch heute weiß der Mensch das Kulinarische an Allium ursinum, so die wissenschaftliche Bezeichnung, wieder zu schätzen. Bärlauch ist eine bekannte Gemüse- und Gewürzpflanze, die sich in der Frühjahrsküche zunehmend großer Beliebtheit erfreut. Feingeschnitten, kann man die frischen Blätter in Salaten, Quark, Suppen, als Brotbelag oder zu Nudelgerichten verwenden und profitiert auf diese Weise vom hohen Vitamin-C-Gehalt der Pflanze.

Groß ist das Anwendungsspektrum von Bärlauch in der Volksheilkunde: Er soll blutdrucksenkend und gefäßerweiternd wirkend und unter anderem gegen Darm-, Hals- und Erkältungskrankheiten helfen. Außerdem wird ihm nachgesagt, den Appetit anzuregen. Vorsicht ist geboten, wenn man den Bärlauch in der Natur sammelt und in der Küche verwenden will. In größeren Bärlauchverbänden wachsen oft auch andere Frühblüher. So landen auf dem Teller schon mal die ähnlich aussehenden, aber giftigen Blätter des Maiglöckchens oder der Herbstzeitlose, die allerdings nicht nach Knoblauch riechen. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder sogar Herz-Kreislauf-Versagen sind dann die Folge. Auch können an Bärlauchblättern Eier des gefährlichen Fuchsbandwurms haften. Für Kenner aber dürfte ein maßvolles Sammeln im Wald - außer in Naturschutzgebieten - kein Problem sein. Um Verwechslungen auszuschließen, sollte man jedoch immer seinen Geruchssinn bemühen. Dann schmeckt die Bärlauch-Suppe hinterher umso besser. Lanuv Übrigens: Es stimmt nicht, wie so oft behauptet, dass Bärlauch nach der Blüte giftig wird. Theoretisch kann man bis September die Blätter ernten. Allerdings werden sie nach der Blüte faseriger und verlieren an Geschmack.

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