Keine Liebe, nur Chemie

Glühwürmchen haben im Frühsommer nur eines im Sinn

0 14.06.2020

An lauen Juni-Abenden, in der Dämmerung, wenn Glühwürmchen wie kleine Laternen über eine Wiese flirren, entfaltet sich ein Zauber. Viele werden noch den Refrain kennen von Paul Linckes „Glühwürmchen-Lied“, das sich in die Herzen der Liebespaare glomm oder glimmte (erlaubt ist beides): Glühwürmchen, Glühwürmchen flimmre, Glühwürmchen, Glühwürmchen schimmre, Gib uns schützend dein Geleit zur Liebesseligkeit.

Und nicht nur die Liebespaare anno 1902 hatten die Zweisamkeit im Sinn, auch bei den Glühwürmchen geht es um Sex. Durch das Licht finden die Glühwürmchen zueinander, um sich zu paaren. Das Männchen schwirrt leuchtend und nach dem richtigen Weibchen suchend durch die Luft. Das Werben entgeht dem Weibchen nicht. Auf einem Grashalm oder in einem Busch hockend, leuchtet es ebenfalls nach Leibeskräften. Je mehr es „die Lampe an hat“, desto besser. Starkes Licht zeigt an, dass es sehr fruchtbar ist.

Aber ach, wie ernüchternd: Statt Liebe ist es reine Chemie. Die Tierchen haben am Hinterleib ein transparentes Leuchtorgan. Dort reagiert der Leuchtstoff Luciferin mit dem Enzym Luciferase und dem Sauerstoff der Luft. So entsteht das typische Glühwürmchen-Licht.

Drei Glühwürmchen-Arten gibt es in unseren Breiten und jede Art blinkt auf seine eigene Weise in seinem eigenen Rhythmus. Das hat die Natur extra so eingerichtet, damit das Männchen nicht ein falsches Weibchen anschmachtet. Die Weibchen selber sind flugunfähig und leuchten bis das Männchen kommt.

Und noch etwas ist anders als man denkt: Glühwürmchen sind keine fliegenden Würmer, sondern Käfer. Bei Tag betrachtet sind die kleinen Insekten eher unscheinbar.

Tragisch ist das Ende: Ausgeglüht hat es sich für beide schon bald nach der Paarung. Zuvor hat das Weibchen bis zu 90 Eier auf dem Boden abgelegt.

Verliebte Glühwürmchen haben keinen Appetit mehr, aber die Larven, die aus den Eiern schlüpfen, sind um so gefräßiger. Nacktschnecken stehen auf ihrem Speisezettel – sehr zur Freude der Gärtner.

Wer also Glühwürmchen in seinem Garten beherbergen möchte, kann versuchen sie anzulocken. Dazu muss er auf den Einsatz von Schneckengift verzichten und künstliches Licht vermeiden. Mit einem Haufen kleiner Äste bietet man den Larven Unterschlupf. Drei Jahre lang – so lange dauert es, bis sie zum Glühwürmchen werden – gehen sie dann auf Schneckenjagd. Ist der Sommer zu trocken, sollte man die Ästchen ruhig ein wenig wässern. Sonst vertrocknen die Larven. Das wäre sehr schade. Einleuchtend, oder? flora

Zum Bild: Die Abbildung aus einem alten Schulbuch zeigt (außer dem Marienkäfer) männliche und weibliche Glühwürmchen. Die Weibchen können nicht fliegen.

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