Appetit auf Hexeneier?

Jugendliche Stinkmorchel kommen bei manchen Feinschmeckern auf den Teller

0 22.07.2021

Empfindliche Nasen können ihn drei Meilen gegen den Wind riechen. Auch, wenn das ein wenig übertrieben scheint, man riecht diesen Pilz eher, als man ihn im Unterholz entdeckt. Gemeint ist die Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus). Sie (nicht Er) riecht nach Aas und Verwesung, man käme nicht im Traum darauf, die ausgewachsene Morchel auf die Speisenkarte zu setzen.

Dabei beginnt das Stinkmorchelleben ganz unspektakulär als eiförmiges Etwas, das so groß ist wie eine Kartoffel, 5 bis 6 cm hoch und etwa genau so breit ist. An der Unterseite befindet sich ein bis zwei Millimeter dicker Strang aus fadenförmigen Zellen (Mycel), der das Ei mit dem Boden verbindet.

In diesem Stadium wird die Stinkmorchel als „Hexenei“ bezeichnet und nicht nur Fliegen und Schnecken haben diese zum Fressen gerne. Auch Angehörige der Spezies Mensch, und da nicht nur die, die auf Besen reiten können, behaupten, diese Hexeneier seien essbar. Sie schneiden sie in Scheiben und braten sie in der Pfanne wie Bratkartoffeln. Das mag sein, allerdings muss man doch abraten, sich eine Portion Hexeneier zu braten. Pilz-Laien könnten sie mit anderen kugeligen Pilzen verwechseln und sich dann mit verteufelten Vergiftungserscheinungen plagen müssen.

Zurück zum Hexenei: Aus dem Hexenei wächst dann der etwa 20 cm lange und 2 bis 3 cm breite, weiße Stiel mit dem Hut heraus. Der lateinische Name Phallus impudicus (impudicus für unzüchtig) beschreibt das Aussehen der Morchel ganz gut. Der Stiel ist hohl und verjüngt sich zum Hut ein wenig. Der Hut ist etwa 4,5 cm hoch und 2,5 cm breit. Er ist nicht glatt, sondern wabenartig strukturiert. Auf dem Hütchen selbst ist eine ganzrandige, weiße Scheibe. Die Gleba, das ist der „fruchtbare“ Teil des Hutes, ist olivgrün bis schwarzgrün, schleimig-flüssig. Und diese Fruchtmasse stinkt unseren Nasen so sehr.

Schmeißfliegen hingegen, denen man ohnehin einen Hang zu riechenden Substanzen nachsagt, fliegen auf die Stinkmorcheln. Und auch die Mistkäfer mögen die Gleba, nehmen sie auf und verbreiten den Pilz auf diese Weise weiter.

Die Gemeine Stinkmorchel liebt humusreiche Böden und gedeiht gut in der Nähe von morschem Holz. Sie kommt in Fichtenwäldern, Buchen- und Buchentannenwäldern, Eichen-Hainbuchenwäldern, Auwäldern und Erlenbruchwäldern vor. Aber auch in Parks oder Gärten sticht einem gelegentlich dieser Geruch in die Nase. Das kann vom Frühsommer bis zum Herbst der Fall sein.

Die Stinkmorcheln lieben den humosen Grund von Grabhügeln und gedeihen dort recht gut. Und so ranken sich manche unheimliche Geschichten um diesen Pilz. Entspross einem Grab eine Stinkmorchel, so glaubte man, dass der darunter liegende Tote mit einem ungesühnten Verbrechen gestorben sei. In manchen Gegenden wird die Morchel auch „Leichenfinger“ genannt.

Zu den Bildern: Ein Hexenei zu finden, ist ein glücklicher Zufall. Sie sind unscheinbar und stinken noch nicht. In diesem Zustand gibt es sie nur wenige Tage. Foto: Barbara Nolte

Der deutsche Namensbestandteil Morchel nimmt auf die Ähnlichkeit mit den echten (und gut schmeckenden) Morcheln Bezug, zu denen jedoch keine Verwandtschaft besteht. Foto: flora

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