Am besten bis zur Milchstraße

0 19.07.2019

Was ist schlimmer, als sich mit den Mauken der älteren Brüder das Planschbecken im Garten zu teilen? Ganz einfach: Schlimmer ist die bittere Erkenntnis, dass es für einen kleinen Krotz keine Gnade der späten Geburt gibt. Man ist nämlich schlicht zu jung für die schönen und spannenden Dinge des Lebens. Und so durfte Klein-Monica vor 50 Jahren nicht die Mond-Landung im Fernsehen anschauen. Während sich der Rest der Familie vor dem Fernseher versammelte, musste die Kröte ins Bett. „Du bist noch zu klein! Das wird dir langweilig!“, sagten die Eltern, während sich die Brüder fett grinsend auf der Couch niederließen und das Liedchen anstimmten:

La-le-lu
Nur der Mann im Mond schaut zu
Wenn die kleinen Babies schlafen
Drum schlaf' auch du

La-le-lu

Ich hätte die beiden am liebsten in den Orbit geschossen und da möglichst bis zur Milchstraße, denn vom Mond wären sie ja vielleicht zurück gekommen.

Ungerecht war das, furchtbar ungerecht. Dabei wäre ich schon damals Weltraum-Expertin gewesen. Schließlich war ich ja als ganz kleiner Krotz mit Vattern im Essener Theater. „Peterchens Mondfahrt“ hat bleibende Erinnerungen hinterlassen. Herr Sumsemann, der Maikäfer, ist dort nämlich mit den Kindern Peter und Anneliese hingeflogen, um dort sein sechstes Beinchen zu holen. Das war ihm nämlich abhanden gekommen. Meine Lieblingsstelle ist die mit der „Weihnachtswiese“. Dort gab es nämlich viel Spielzeug und noch mehr Süßigkeiten. Doch das ist ein ganz andere Geschichte.

Tabu war übrigens auch „Belphegor – oder das Geheimnis des Louvre“. Der Straßenfeger lief 1967 zum ersten Mal im Fernsehen. „Du kannst danach nicht schlafen“, hieß die Begründung der Erziehungsberechtigten. Sie hatten nicht ganz unrecht. Klein-Monica ögelte (so sagte man das bei uns) durch die Tür und war fix und fertig, wenn Juliette Greco alias Belphegor durch die geheimnisvollen nächtlichen Gänge des Louvre huschte und Pistolenschüsse knallten. Ich würde heute noch eine Gänsehaut bekommen, hätte ich mir nicht zwischenzeitlich die Serie noch einmal angeschaut. Sie wirkt beruhigend wie ein Schlafmittel und müsste deshalb vom Arzt verordnet werden.

A propos: Ein kleines Schläfchen, das wäre jetzt was… Bis zur nächsten Woche Ihre und Eure Monica

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