1992: Neue Mitte in Oberhausen macht Kaufleuten Sorgen

0 15.03.2022

Was war los im Großraum Borbeck in der ersten Märzhäfte 1992? Die Kaufleute machten sich Sorgen wegen der geplanten Konkurrenz in Oberhausen. Stichwort: Neue Mitte. Es wird Wohnungsmangel beklagt, die Memory Clinic in Berge zieht Bilanz nach einem Jahr ihres Bestehens und vieles mehr.

Rückblicke waren immer gefragt in Borbeck. Am 28. Februar widmen die BN dem "Aus" der Zinkhüste vor 20 Jahren (also: 1972) die halbe Titelseite und einen großen Beitrag im Innern.

Angst vor Konkurrenz: Oberhausens geplante „Neue Mitte“ treibt dem Einzelhandel in Frintrop und Borbeck die Sorgenfalten auf die Stirn. Auf dem im Februar 1992 noch brachliegenden Thyssen-Gelände soll bis 1996 ein gigantisches Einkaufs- und Freizeitzentrum entstehen. Die von der Kohle- und Stahlkrise besonders gebeutelte Nachbarstadt erhofft sich von der Milliarden-Investition des britischen Unternehmers Edwin D. Healey nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch die seit langem erwünschte Aufwertung der Stadt. - Die Borbecker fragen: Welche Auswirkungen hat das auf Oberhausen Nachbarstädte und besonders auf die Neben- und Mittelzentren. „In jedem Fall aber würde das Oberhausener Projekt zu einer weiteren Verödung in den Mittel- und Nebenzentren führen.“ Derartige Sorgen äußern Franz-Josef Nüsse, Vorsitzender des Essener Einzelhandelsverbandes und Inhaber eines Lederwarengeschäfts am Germaniaplatz, Clemens Plaßmann, Supermarkt-Inhaber in Frintrop und Hans Josef Bücking, Seniorchef des gleichnamigen Möbelhauses auf einer Bürgerversammlung der CDU.

Und immer wieder das Schloss: Die Reparatur der Brücke am Schloss zieht sich und zieht sich und zieht sich. Nun werden sogar die Bretter der provisorischen Brücke morsch.

Borbeck ist wieder Stadt in der Stadt: Die magische Zahl von 100.000 Einwohnern hat Borbeck mit all seinen Ortsteilen überschritten. Die BN freuen sich in ihrer Ausgabe vom 28. Februar: Das Statistische Amt hat es ausgerechnet: Am Jahresende 1991 hatte die Einwohnerzahl der früheren Gemeinde Borbeck mit 100.782 erstmals seit Jahren wieder die Hunderttausender-Grenze überschritten. Borbeck, die Großstadt in der Großstadt hatte im März 1966 einen Einwohnerhöchststand von 111052; danach sank die Zahl langsam, aber stetig auf unter 100000.

Nicht nur an klingendes Münze interessiert: Kleiner Laden vertritt seit 10 Jahren großes Anliegen“ titelten die BN aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des „ökumenischen Dritte-Welt-Ladens“ (heute Weltladen), wie das Geschäft an der Klopstockstraße hieß.

Nur einer wollte Latein lernen: Die Schulanmeldezahlen sind im Februar 1992 Thema in Borbeck. Die Hauptschule Bochold hat zu wenig Anmeldungen (38), um einen Ganztagsbetrieb einführen zu dürfen. Auch bei der Hauptschule an der Lohstraße sinken die Anmeldezahlen. Die Geschwister-Scholl-Realschule vermeldet die meisten Anmeldezahlen von Realschulen in Essen: 131. Die Realschule am Schloss verzeichnet 57 Anmeldungen.

Das Gymnasium Borbeck schießt den Vogel ab: 133 Mädchen und Jungen (im Vorjahr 101) wollen die traditionsreiche Schule besuchen. Der Zuspruch ist vor allem auf das neue Zweisprachen-Angebot zurückzuführen. Für den Zweig wurden 53 Schüler angemeldet. Für die Lateinklasse gab es nur einen Interessenten.

Das Mädchengymnasium muss wie im Vorjahr einen weiteren Rückgang in Kauf nehmen. Die neue Gesamtschule Borbeck hingegen hat 171 Anmeldungen. Das sind viel zu viele, einige Mädchen und Jungen werden auf die Gesamtschule Bockmühle umverteilt. Das Don-Bosco-Gymnasiums wird in dem Beitrag nicht erwähnt. Die Privatschulen haben einen anderen Anmeldetermin. Die Zahlen an der katholischen Schule sind aber immer gleichbleibend hoch.

Gustav-Streich-Haus eingeweiht: An der Borbecker Straße wird Ende Februar eine Wohnanlage der Awo für Senioren eingeweiht. Zum Erinnerungsbild bei der Einweihung des später Gustav-Streich-Haus genannten Hauses stellen sich SPD-Landtags- und Bundestagsabgeordnete mit den ersten Bewohnern.

Es fehlen Wohnungen: "Mehr Einwohner bringen größere Wohnungssorgen“ heißt es in einem BN-Beitrag vom 28. Februar 1992. Der Grund: Die Einwohnerzahl Essens ist höher als vorhergesagt. Man ging von 600000 Einwohnern 1990 aus. Tatsächlich aber waren es 629500 mit Hauptwohnsitz in Essen. Außerdem werden die Haushalte immer kleiner, das bedeutet zwangsläufig eine größere Wohnungsnachfrage. Es gibt zudem einen „starken Zuzug von Aussiedlern, Asylbewerbern“. Auch die Binnenwanderung in der EU schaffe zusätzliche Wohnungsprobleme heißt es.

Neubauten in Dellwig: Das Gebiet zwischen Ripshorster Straße – Bergheimer Straße und Tauweg in Dellwig soll bebaut werden. 50 Wohnungen sind dort geplant.

Sauerei im Neubaugebiet Nöggerathstraße/Bahnhof Borbeck-Süd: "Umweltsünder erzeugen wilde Müllkippe" zürnen die BN.  Keine Frage: Früher war nicht alles besser.

Borbecker Polizeiwache ist zu transparent: In einem Leserbrief aus Mülheim heißt es: „Immer wenn ich zu meiner Schwester nach Essen fahre, komme ich automatisch an der Polizeiwache Borbeck vorbei. Seit Monaten fällt mir auf, daß es dort keine Gardinen an den Fenstern gibt. Man kann die Polizisten von außen beobachten. Ich glaube, daß hier die Transparenz in den Behörden, nach der einige Leute immer rufen, völlig falsch verstanden wurde. Ich gestehe auch den Polizisten zu, eine gewisse Privatsphäre zu haben; auch im Dienst auf der Wache. Und der Sichtschutz dient der eigenen Sicherheit. Als Leser der Borbecker Nachrichten möchte ich mit meinem Leserbrief die Borbecker Kaufmannschaft erreichen. Vielleicht kann man der verarmten Polizei aus einem Restposten ein Gardinen-Angebot unterbreiten. Es muß ja nicht die mit der Goldkante sein...“

Gut angekommen. Nach einem Jahr ihres Bestehens zieht die Memory Clinik in Berge Bilanz: Chefarzt Dr. Hans Georg Nehen freut sich über die große Resonanz im ersten Jahr und das Ansehen, das die Klinik schon bundesweit genießt. Die Memory Clinic widmet sich der Früherkennung von Hirnleistungsschwächen.

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