1972: "Miethai" Kaußen bringt die Borbecker in Harnisch

Und zu RWE-Aufstiegsspielen setzt die Bahn auf Sonderzüge

0 06.04.2022

Kaußen, der Name klingt vielen noch im Ohr. Die Firma vermietete verwohnte Wohnungen zu überhöhten Preisen. 1972 reicht es vielen, besonders den Menschen im Brauk. Sie schließen sich zusammen. Was ist sonst noch los im April 1972: Schönebeck bekommt eine Post, Tackes eröffnen die Münze im Schloss und vieles mehr. Lesen Sie selbst, aber nicht alles auf einmal. "Zurückgeblättert" macht nämlich drei Wochen Pause. Vielen Dank für Ihr und Euer Verständnis.

Was hat man sich bloß dabei gedacht: Eine waghalsige Verbindung zwischen einer frischen Brotkruste und einer Frau im karierten Sacko konstruierten die Werbe-Profis der Firma Lembeck. 150 D-Mark sollte die Jacke kosten, die "frau" zum Anbeißen knusprig werden lässt - oder nicht.

Das gibt‘s doch nicht (mehr): „Schönebecker Post hilft Wege sparen“, titelten die BN am 7. April 1972. „Nach langer Wartezeit können Schönebecker endlich aufatmen: Das an der Aktienstraße errichtete Postgebäude wird am 19. April eröffnet. Wege zum Fliegenbusch werden damit entbehrlich. Das Schönebecker Postamt nimmt zunächst mit einem Schalter seinen Dienst auf. Sollte der Zuspruch sich verstärken, werden beide Schalter besetzt. - Beim Postamt Schönebeck kann man Briefe, Päckchen, Pakete und Telegramme aufgeben. Geld einzahlen, Sparbeiträge vom Postsparbuch abheben und sich Geld vom Eigenkonto des Postscheckamtes auszahlen lassen. Schließfächer gibt es an der Aktienstraße nicht, jedoch Briefmarken- und Postkartenautomaten und drei öffentliche Sprechstellen – eine draußen, zwei drinnen.

Was für ein Hin und Her: Zwischen den Straßen Am Brauhaus und Hopfenstraße plant die Stadt ein Gewerbegebiet. Anfang der Sechzigerjahre waren dort noch Kleingärten. Die Kleingärtner mussten ihre Parzellen aufgeben. Dann lag das Gelände jahrelang brach, dann sollten Wohnhäuser gebaut werden, dann ein Gewerbegebiet, dann wieder Wohnhäuser.

Johannes und Marlies Tacke eröffnen am 7. April 1972 die Münze im Schloss. Die BN schreiben: Pächter der Gaststätte sind die drei Essener Brauereien, die auch für den Umbau und die neue Inneneinrichtung sorgten.

Offenbar dringend notwendig: "Vielen Kindern Mutter sein“ schrieben die BN im April, weil ein neues Fachseminar der Franziskusschwestern Familienpflegerinnen ausbildet. Die Familienpflegerinnen lernen u.a. Pflege, Erziehung, Haushalten, Kochen und Backen.

360 Bewerbungen auf 100 Kleingärten: Zwischen Reuenberg und Donnerberg werden 100 neue Kleingärten die bereits bestehende Anlage erweitern. Es liegen dem Kleingärtnerverein bereits 360 Bewerbungen von meist jüngeren Familien vor.

Vorsicht Miethai: „Kaußen legt seinen Mietern wieder Daumenschrauben an“, heißt es in der Borbecker vom 14. April. Kaußen und die unzumutbaren Verhältnisse in vielen Kaußen-Häusern, namentlich im Brauk, war eines der Hauptthemen bei einer Versammlung im Brauk. Kaußen fordert zur Zeit Mieterhöhungen von 30 DM bis 120 DM für Wohnungen, die 50 und 60 Jahre oder älter sind. Dabei werden an vielen ehemaligen Krupp-Häusern in Kaußen- Besitz weder Instandhaltungen noch Reparaturen ausgeführt. Erwin Siegeler, DKP-Vorsitzender in Borbeck sagt in einer Versammlung: Kaußen muß, wenn er höhere Mieten haben will, den Erhöhungsbetrag in jedem Einzelfall vor Gericht einklagen und dabei darlegen, daß für vergleichbarer Wohnungen anderer Gesellschaften im Einzugsbereich gleich hohe Mieten verlangt werden. Dieser Nachweis wird Kaußen schwerfallen, ja in den meisten Fällen unmöglich sein.

Mehr Platz für Kinder: Der preisgekrönte Musterspielplatz vom Verein Mehr Platz für Kinder ist fertig. Er soll noch im April am Germaniaplatz eingeweiht werden.

Kein Picks, sondern zwei Ritze: Die Pockenimpfung für Kleinkinder beginnt am 19. April in Bergeborbeck. Gedacht ist sie für die rund 10000 Kleinkinder, die von Mai 1969 bis Juni 1971 in Essen geboren wurden. In ganz Essen gibt es 41 Impflokale.

Nur der RWE:  Das Tor zur Bundesliga ist für Rot-Weiß einladend geöffnet, schreiben die Borbecker am 21. April 1972. „Mit einem Bein in der Aufstiegsrunde“, heißt es. Das ermuntert die Bundesbahn zwei Sonderzüge nach Wuppertal einzusetzen.

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