1972: Helau. Karneval in Farbe sehen! Ein Farbfernseher kostete bis zu 2000 D-Mark

0 23.02.2022

Zurückgeblättert: Na das kann ja heiter werden: Mainz bleibt Mainz in Farbe gucken! Doch die Farbfernseher waren teuer. Was gab es noch im Februar 1972? Weindorfs Haus am Dionysiuskircheplatz wird abgerissen, verantwortungslose Autofahrer lassen Schwerverletzten auf der Straße liegen, ein Einbrecher kommt in der Wurstküche zu Fall, das Jungen-Gymnasium will Sextanerinnen aufnehmen und vieles mehr stand in den BN zu lesen. In der Serie "Zurückgeblättert" will sich borbeck.de durch die Jahrgänger 1972 und 1992 wühlen und das Interessanteste zusammenfassen. Einige alte Einzel-Ausgaben der Borbecker Nachrichten werden privat veräußert. Interessenten können sich per Mail an susanne.hoelter@gmx.de wenden und u.a. erfragen, ob die gewünschte Ausgabe dabei ist.

Karneval in Farbe! Das war 1972 der Hammer. Bei Balster gab es die entsprechenden Fernsehgeräte. Sie kosteten etwa zwischen 1200 und 2200 D-Mark. Einen Schwarzweißen konnte man für 400 an der Marktstraße erwerben.

"Weindorfs Haus“ am Dionysiuskirchplatz wird abgerissen. Das Haus beherbergte früher die Schreibwarenhandlung Weindorf. Die BN schrieben im Februar: Dort arbeitete und dichtete Opa Weindorf, ein beliebtes Borbecker Original. Als Gelegenheitsdichter war Opa Weindorf bei allen Borbecker Festlichkeiten zu Anfang des Jahrhunderts und bis in die 30er Jahre ein gern gesehener Gast.

Das Jungen-Gymnasium möchte Sextanerinnen aufnehmen, der Antrag beim Schulamt ist gestellt. Im Februar1972 bestehen am Gymnasium an der Prinzenstraße in der Oberstufe bereits acht Koedukationklassen, in der Unterstufe eine, die 1971 vom aufgelösten Gymnasium an der Bockmühle übernommen wurde. Die Eltern der Schülerinnen am Mädchen-Gymnasium zeigen sich verwundert über den Wunsch des Gymnasiums Borbeck: „Mädchen-Gymnasium kann alle Sextanerinnen aufnehmen“, heißt es eine Woche später in den BN dazu.

Frohe Botschaft im Februar: Die Evangelische Kirchengemeinde Borbeck baut am Termiedenhof einen Kindergarten. Geschaffen werden 60 Kindergarten- und 25 Hortplätze.

"Das Herz tut einem weh“ schrieben die BN, weil Kastanien vor den Steigerhäusern an der Prosperstraße brachial zurecht gestutzt werden.

Durch die Dachluke der Wurstküche wollte ein Betrunkener in eine Metzgerei an der Borbecker Straße 144 einbrechen. Dabei stürzte er so unglücklich, dass er sein Knie verletzte und eine Gehirnerschütterung erlitt.

Kein Vergleich zu heute: An Essens erster Gesamtschule - Bockmühle – wurden sage und schreibe 368 Kinder angemeldet, aufgenommen wurden 315. Viele kommen aus den Grundschulen im Großraum Borbeck. Die Borbecker Nachrichten schreiben in ihrer Ausgabe vom 25.02.1972: „Der Schulunterricht soll zunächst in zweistöckigen Pavillons beginnen. Für den Bau der Gesamtschule wurde inzwischen ein Bauentwurf angenommen, den die Architekten Allerkamp und Niehaus entwickelt haben. Mit dem Bau soll 1973 begonnen werden.“

Die Dellwiger Initiative gegen Luftverschmutzung (vermutlich eine der ersten Bürgerinitiativen in Deutschland) wird 1972 zehn Jahre alt. Gegründet als „Dellwiger Interessengemeinschaft gegen Luftverschmutzungsschäden durch Luftverunreiniger e.V.“ kämpfte sie bis 1992 für saubere Luft.

Moca Rica modernisiert sein Geschäft am Germaniaplatz. Noch heute wird der Laden von vielen in Borbeck schmerzlich vermisst.

Zur Klärung eines schweren Verkehrsunfalls sucht die Polizei einen Fiat 124 mit französischem Kennzeichen. Nach Angaben der Polizei war ein angetrunkener Radfahrer (64) an der Kreuzung Germaniastraße/Bergmühle auf die Fahrbahn gestürzt. Ein Fordfahrer konnte seinen Wagen rechtzeitig anhalten und war ausgestiegen, um dem Mann zu helfen. Er hatte bereits das Fahrrad an den Straßenrand getragen, als der immer noch auf der Fahrbahn liegende Mann von einem bisher unbekannten Fiat 124 überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde. In den BN steht zu lesen: „Der Fiatfahrer fuhr weiter, ohne sich um den Unfall zu kümmern. Der Fordfahrer hatte sich daraufhin wieder in sein Auto gesetzt und fuhr ebenfalls vor Eintreffen der Polizei davon.“ - Damals war es offenbar üblich, in der Zeitung Namen zu nennen, und so erfuhren die Leserinnen und Leser, dass es sich bei dem Verletzten um Wilhelm G. aus der Steegstraße 29 handelte. - Den Nachnamen hat borbeck.de abgekürzt.

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