Alle mögen Tulpen

Milliarden Tulpenzwiebeln werden aus Holland in alle Welt verkauft

0 13.04.2026

Die Tulpe ist mit ihrer Blüte deutlich später dran als die Osterglocke; sie ist jetzt schon meist verblüht. Bis Mitte Mai kann man aber Tulpen – je nach Sorte – in den Gärten bewundern.

Wilde Osterglocken wachsen in der Eifel an einigen, wenigen Stellen. Auch wildwachsende Tulpen machen sich rar. Am Schloss Brake gibt es ein abgegrenztes Areal mit der Weinbergtulpe, ihre Blütenblätter sind sternförmig angeordnet und stets hellgelb.

Unsere Gartentulpen stammen aber alle von den Wildformen ab. Vor mehr als 400 Jahren wurde die erste Tulpe (Tulipa) nach Deutschland gebracht.

Innerhalb dieser Zeit sind mehrere Tausend Züchtungen aus den Wildtulpen entstanden. Tulpen schätzen im Frühjahr Feuchtigkeit, im Sommer heiße, trockene Lagen auf nährstoffreichen Böden. So können die Zwiebeln am besten ausreifen.

Die meisten Arten wurden und werden in den Niederlanden gezogen. Dort herrschte im 17. Jahrhundert eine enorme Begeisterung für diese Pflanze, die schon hysterische Züge trug. „Tulpenwut“ oder „Tulpenmanie“ nennt man das Phänomen und man sagt, dass ein Müller seine Mühle hergab für eine Tulpenzwiebel, ein Brauer seine Brauerei.

Tulpenspekulanten trafen sich zum Handel im Hause adliger Familien. Eine hieß van der Beurse, sie lebte in Brügge. Die Familie Beurse als Ursprung aller Börsen? Die Tulpen waren damals Spekulationsobjekte, die Preise erlebten einen Hype und normalisierten sich erst nach einem Börsenkrach 1637 wieder. Es gibt wunderbare Filme über dieses Thema.

Die Tulpenzwiebel erinnert in der Form an die Küchenzwiebel. Auch sie hat mehrere trockene Häute, darunter die eigentlichen Zwiebelschalen, die den Spross umhüllen. Wie alle Zwiebelpflanzen, speichert auch die Tulpe Nährstoffe in den dicken Zwiebelschalen.

Am Rande: Auch wenn die Tulpenzwiebel noch so appetitlich ausschaut: Man sollte sie nicht essen. Tulpen enthalten in allen ihren Teilen Giftstoffe (Tulipanine), die auf der Haut Ekzeme und beim Verzehr Übelkeit und Erbrechen hervorrufen können. Aus schierer Verzweiflung gegessen wurden sie von den Niederländern im Hungerwinter 1944 wohl nur in reichlich Wasser gekocht, um das Gift unschädlich zu machen.

Doch zurück in die Gegenwart: Im Herbst setzt man gesunde Tulpenzwiebeln in den Boden. Als Steppenpflanzen brauchen sie den Kältereiz im Winter, um im Frühling auszutreiben. Zuerst schiebt sich dann das Keimblatt durch das Erdreich, erst dann folgen die übrigen Blätter und der Stängel mit der Tulpenblüte. Der kräftige runde Stängel wird bis zu 30 Zentimeter hoch. Die drei bis vier großen ungestielten, rinnenförmigen Blätter stehen aufrecht. Sie sind mit einer wachsartigen Schicht überzogen. Bei Regen leiten sie die Tropfen werden schnell zur Zwiebel und weiter zu den Wurzeln.

Die Blätter sind ganzrandig, die Blattnerven liegen parallel. Das ist das Kennzeichen aller Zwiebelpflanzen und darüber hinaus aller so genannten einkeimblättrigen Pflanzen (zu denen auch die Gräser gehören).

Die Blüte besitzt sechs Blütenblätter und sechs Staubblätter, in der Mitte stehen Fruchtknoten mit Narbe. Die Blüte öffnet und schließt sich abends und bei trüben Wetter. Das schafft sie durch Wachstum. Beim Öffnen wächst die innere Seite der Blütenblätter mehr, beim Schließen die äußeren. Pfiffig, oder?

Die Tulpe enthält keinen Nektar. Trotzdem finden sich Insekten ein, die wild sind auf den Pollen. Einige Blütenstaubkörner gelangen so auf die Narbe und in den Fruchtknoten. Der bildet dann eine Kapsel aus, die schließlich aufspringt und den reifen Samen entlässt. Doch bis aus dem Samenkorn eine neue Zwiebel gewachsen ist, vergehen Jahre.

Deshalb vermehrt man in der Tulpenzucht die Pflanze durch Zwiebeln. In der Mutterzwiebel steckt bereits die Anlage für Brutzwiebeln. Die meisten Sorten der Gartentulpe entfalten ihre Pracht und Größe nur unter besonders günstigen Bedingungen. Belässt man die Zwiebeln am gleichen Standort, so entwickeln sich in den folgenden Jahren gewöhnliche kleinere Pflanzen, manchmal ändern sich auch Färbung und Zeichnung der Blüten.

Alle Menschen lieben Tulpen. Zehntausende von Touristen aus aller Welt reisen im Frühjahr nach Holland, um dort ihr blühendes Wunder zu erleben. Statistiker zählen: Die niederländischen Händler verkaufen im Jahr weltweit etwa zehn Milliarden Tulpen – sowohl Zwiebeln als auch Schnittblumen (Quelle: Handelsblatt 2025). Damit beherrschen sie rund 90 Prozent des Welthandels.

 

 

Zu den Bildern:

 

Hat Charme: Ein Tulpenwiese im späten Frühling. Foto: flora

 

Tulpen produzieren keinen Nektar. Die Insekten sind wild auf den Pollen aus den dicken Staubbeuteln. Foto: flora



 

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